Garten 'Eremitage' (Arlesheim)

Die Eremitage (auch Ermitage geschrieben) in Arlesheim ist heute der grösste Landschaftsgarten der Schweiz und steht unter Denkmalschutz. Zur Entstehungszeit der Eremitage gehörte Arlesheim jedoch zum Fürstbistum Basel und war damit Teil des Hl. Röm. Reiches Deutscher Nation.
Die Eremitage wurde am 28. Juni 1785 eröffnet. Die Initiative zu ihrer Anlegung ging auf den Domherrn Heinrich von Ligerz und seine Cousine, die Landvögtin Balbina von Andlau zurück. Beide waren Angehörige der adeligen Führungsschicht des Fürstbistums Basel und eng befreundet mit Adam Franz Xaver von Roggenbach, der fast gleichzeitig in Pruntrut ebenfalls einen Garten anlegen liess.
Im späten 18. Jahrhundert war das beschauliche Dorf Arlesheim aufgrund der Anwesenheit des Basler Domkapitels ein Ort mit internationaler Ausstrahlung (Beziehungen zum französischen König in Versailles, zum Kaiser in Wien sowie zum Papst in Rom). Durch die Gründung der Eremitage, die von Anfang an öffentlich zugänglich war, konnte die Attraktion Arlesheims noch zusätzlich gesteigert werden.
Der Hügel, auf dem das schon unbewohnte, aber noch intakte Schloss Birseck thronte, war ideal, um zu einer Gartenanlage im damals modischen landschaftlichen Stil ausgebaut zu werden. Im Tal plätscherte ein Bach, und es waren drei Weiher sowie eine Mühle vorhanden, die die ländliche Stimmung unterstrichen. Der Hügel selbst wies zahlreiche bizarr geformte Felsen und Höhlen auf, die als Attraktionen in den Garten einbezogen werden konnten. Die schöne Natur mit pittoresken Ausblicken in die Landschaft vervollständigte das Gartenerlebnis. Der Birseckhügel musste nur noch durch schlängelnde Wege erschlossen werden, die die Besucher zu den einzelnen Szenen führten, wobei melancholische, heitere, erhabene und romantische Gartenszenen unterschieden wurden. Zur Intensivierung der beabsichtigten Stimmung wurden Denkmäler, Inschriften und kleinere Staffagebauten angebracht. So gab es beispielsweise eine Dianagrotte, eine Apollogrotte, ein Karussell, einen chinesischen Sonnenschirm, eine Eremitenklause und eine künstliche Turmruine in 'gotischem' Stil. (Es war übrigens höchstwahrscheinlich der fürstbischöfliche Baudirektor Pierre-François Pâris, der die Gestaltungsideen der Adeligen in die Praxis umsetzte).
Die Eremitage entwickelte sich von Jahr zu Jahr weiter und wurde mit neuen Attraktionen ausgestattet. 1787 wurde zum Beispiel auf einer Wiese ein Schweizer Chalet errichtet, um das ländliche Leben zu inszenieren. 1788 wiederum wurde ein Gessnerdenkmal angebracht, um des kurz zuvor verstorbenen Dichters Salomon Gessner zu gedenken. Im gleichen Jahr wurde die Proserpinagrotte in Dreifache Grotte des Todes, der Auferstehung und der Meditation umbenannt und mit einer neuen Ausstattung versehen. Auch ein Altar der Freundschaft und der sogenannte Tempel der Wahrheit bereicherten die Eremitage ab 1788.
Von Jahr zu Jahr strömten mehr Besucher in die Gartenanlage. Diese gehörten hauptsächlich der sozialen Oberschicht (Adel, Bürgertum) an und kamen aus der ganzen Welt ' aus den USA ebenso wie aus Russland, der Türkei oder Spanien. Die meisten Besucher stammten aus Deutschland, Frankreich und England, wobei unter ihnen sowohl bekannte Künstler und Gelehrte als auch Angehörige von Königshäusern zu finden waren.
Diese Entwicklung wurde abrupt unterbrochen, als im Zuge der Französischen Revolution das Fürstbistum Basel von Truppen besetzt und von Frankreich annektiert wurde. Die Eremitage wurde 1793 verwüstet, das Schloss Birseck in Brand gesetzt.
1808 erwarb Konrad von Andlau, ein Sohn der mittlerweile verstorbenen Balbina von Andlau, Ruine Birseck und den Birseckhügel (im 18. Jahrhundert war dieser noch kein Privatbesitz gewesen, sondern hatte dem Fürstbischof gehört). 1811 veranlasste sein betagter Onkel Heinrich von Ligerz den Wiederaufbau der zerstörten Gartenanlage, so dass die Eremitage im Sommer 1812 wiedereröffnet werden konnte ' was alles andere als selbstverständlich war, da die Verantwortlichen seit der Revolution nicht mehr in Arlesheim wohnten, sondern sich in Freiburg im Breisgau eine neue Lebensgrundlage geschaffen hatten.
Manches wurde wieder so hergestellt, wie es vor der Revolution gestaltet gewesen war, aber es kamen auch neue Elemente hinzu, und auf einige ursprüngliche Gartenszenen wurde verzichtet. Die Ruine Birseck wurde ebenfalls in die 'neue' Eremitage einbezogen. In ihr konnte die romantische Mittelalterschwärmerei ihren Ausdruck finden. Generell entsprach die Eremitage nun dem durch lange Jahre der Revolution und des Krieges gewandelten Zeitgeist. Sie drückte nicht mehr so sehr das religiös tolerante, aufklärerische Gedankengut der Epoche vor der Revolution aus, als vielmehr die Hinwendung zu Tradition und christlicher Religion.
1815 wurde das Birseck, und damit auch Arlesheim, durch einen Beschluss des Wiener Kongresses der Schweiz, genauer dem Kanton Basel (seit 1833 Kanton Basel-Landschaft) zugesprochen, und so wurde die Eremitage zum grössten Landschaftsgarten der Schweiz.
Bis zum Tode Heinrichs von Ligerz 1817 war die Eremitage wieder ein lebendiger Garten, dessen Ausstattung aktuellen Ereignissen Rechnung trug (1814 Denkmal für den verstorbenen Naturdichter Jacques Delille, 1815/1816 Monument zum Gedenken der Völkerschlacht bei Leipzig und der Schlacht bei Waterloo) und zahlreiche Besucher internationaler Herkunft anzog. Später wurde ihre Gestaltung kaum mehr verändert, und auch die Besucher rekrutierten sich zunehmend nur noch aus Basel und Umgebung. Heute wird die Eremitage von einer Stiftung verwaltet und ist ein beliebtes Ausflugsziel für Sonntagsspaziergänger.

Vanja Hug, 31/08/2011

Bibliografie

Vanja Hug, Die Eremitage in Arlesheim ' ein Englisch-Chinesischer Landschaftsgarten der Spätaufklärung, 2 Bde., Worms, 2008