Kilcher, Yule (1913-1998)

Bürger von Nunningen (SO). Geboren am 09. März 1913 in Laufen, gestorben am 09. Dezember 1998 in Homer, Kenai Penninsula Borough, Alaska, USA. Konfession: römisch-katholisch. Sohn des Edwin Otto Kilcher und der Lina. Heirat 1941 mit Ruth Helen Weber (Sängerin, Autorin), Scheidung 1969. Sechs Töchter, zwei Söhne.
Beruf: Landwirt, Journalist, Politiker. Amt: Senator. Voller Name: Julius Jacob Kilcher. Alias: Yule Forenorth.

Kilcher wuchs in Zuchwil im Kanton Solothurn mit vier Geschwistern auf. Sein Taufname war Julius Jacob Kilcher. In Alaska änderte er seinen Namen in Yule Forenorth Kilcher um. Kilcher interessierte sich schon seit der Gymnasialzeit für fremde Kulturen, Geschichte und Anthropologie. Als Jugendlicher reiste er im Alter von etwa 16 Jahren per Anhalter durch Europa und Nordafrika. Dabei erlebte er, wie Menschen unter einfachsten Bedingungen leben. Von schwedischen Zimmerleuten und in den Karpaten erlernte er den Blockhausbau und schmiedete Pläne für seine Auswanderung. 1936 kam er erstmals nach Alaska, um geeignetes Ackerland zu suchen. In Homer auf der Kenai Halbinsel wurde er fündig. Die Regierung gewährte ihm 267 Hektaren Land zur Bewirtschaftung. Mit dem Ziel, gleichgesinnte Freunde nach Alaska zu locken, kehrte er 1939 für kurze Zeit in die Schweiz zurück. 1940 ging Kilcher vorerst allein nach Alaska, 1941 folgte ihm Ruth Weber aus Pratteln und die beiden heirateten kurz nach ihrer Ankunft in Anchorage. Zu dieser Zeit arbeitete Kilcher in Anchorage beim Aufbau von US-Stützpunkten. Drei Jahre später, 1944, bezog das Ehepaar die ehemalige Fuchsfarm in Homer. Die Grossfamilie Kilcher – insgesamt acht Kinder zog das Ehepaar in der Abgeschiedenheit gross – versorgte sich selbst mit den Erzeugnissen aus ihrem Land und den Wäldern. Sie lebten ohne Strom und ohne fliessendes Wasser. Das Leben seiner Familie dokumentierte Kilcher von Anfang an auf 16-Millimeter-Film sowie auf Dias. Die Filme, die daraus entstanden, heissen «The Last Frontier» und «A Pioneer Family in Alaska». 1955 wurde Kilcher in den Verfassungsrat von Alaska gewählt und beteiligte sich an der Ausarbeitung der Alaska Constitutional Convention. Von 1962 bis 1966 hatte Kilcher für die Demokraten einen Sitz im Senat inne, wo er die Halbinsel Kenai vertrat und sich vor allem für den Naturschutz einsetzte. Im Jahr 1968 war Kilcher Mitglied der Pionierexpedition, die erstmals das Harding Eisfeld von Homer nach Seward überquerte. Kilcher starb 1998 an den Folgen einer Lungenentzündung in seinem Haus. Er ist auf seinem Grundstück in Homer begraben. Am Tag seiner Beerdigung waren die Fahnen in ganz Alaska auf Halbmast gesetzt und es wurde eine Kondolenznachricht von Präsident Clinton verlesen.

Manuela Nipp, 18/03/2015

Archivbestände

Staatsarchiv Basel-Landschaft, BioGen Zeitungsausschnitte
Schweizerisches Wirtschaftsarchiv, Basel, Biogr. Kilcher, Yule

Bibliografie

Alaska The Last Frontier, www.discovery.com/tv-shows/alaska-the-last-frontier/bios/yule-kilcher.htm (Stand vom 01.07.2014)
Constitutional Convention, www.alaska.edu/creatingalaska/constitutional-convention/delegates/kilcher/ (Stand vom 01.07.2014)
«Ein Siedler, Politiker und Visionär. Yule Kilcher – ein Solothurner Auswanderer prägt Alaska», in Solothurner Zeitung, 24. November 1993
Find A Grave, www.findagrave.com/cgi-bin/fg.cgi?page=gr&GRid=84188866 (Stand vom 01.07.2014)
Genealogie Familie Kilcher, www.geni.com/people/Yule-Kilcher/6000000019870736038?through=6000000019870746355; www.geni.com/documents/view?doc_id=6000000022858484470, (Stand vom 01.07.2014)
J. Vin Hoeman, «Crossing the Harding Icefield», in Alaska Magazine 37, Nr. 5 (1971), S. 45–47, S. 63
Project Jukebox. Oral History. Interview mit Yule Kilcher, jukebox.uaf.edu/site7/interviews/595, (Stand vom 01.07.2014)
Monika Schärer, Rousseaus Kinder – Ein Reality-Check in Alaskas Wildnis, Dokumentarfilm, Topicfilm, Zürich 2012, www.srf.ch/player/video?id=C846FE51-A7E0-4F39-9B62-79348E2072AC&referrer=http%253A%252F%252Ftvprogramm.srf.ch%252Fdetails%252F6f5734ee-faa5-4fb9-a3e0-1d8f48f5ce2b, (Stand vom 26.06.2014)
Jürg Schneider, «Blockhütten und Politik. Yule Kilcher (1913–1998)», in Bruno Abegget al., Small Number – Big Impact. Schweizer Einwanderung in die USA, Zürich 2006, S. 112–118
Eugen Schuhmacher, Alaska, letzte Wildnis am Rande der Welt, Dokumentarfilm, Jura Film, Deutschland 1992
Alfie Sinniger, Die schwierige Schule des einfachen Lebens, Dokumentarfilm, Topicfilm, Zürich 1984
Yule Kilcher, «Von Laufen nach Homer, Alaska», in Basler Zeitung, 15. März 1999