Federspiel, Erwin (1871-1922)

Bürger von Domat-Ems. Geboren 1871 in Laufen, gestorben am 3. Juli 1922 in Yverdon (VD). Sohn des Martin Federspiel, Zementfabrikant. Heirat: 1905 mit Hedwig Stöcklin von Ettingen.

Erwin Federspiel ist in Laufen aufgewachsen. Nach der Rekrutenschule erklomm er nach und nach die militärische Karriereleiter und erhielt am 28. Dezember 1892 die Beförderung zum Leutnant. 1895 begann er eine Ausbildung als Instruktionsoffizier, die er 1898 abbrach. Kurz danach wurde er zum Oberleutnant befördert. Noch im selben Jahr fand er eine Anstellung bei der «Force publique» im vom belgischen König beherrschten Kongo-Freistaat. Nach einer langen Reise von Antwerpen über Boma und Léopoldville (Kinshasa) erreichte er am 13. Oktober 1898 Stanleyville (Kisingani). Er arbeitete zunächst bei der Beaufsichtigung des Strassenbaus bis er an der Station Avakubi am oberen Iturifluss zum Kommandanten des Sektors «Oberer Ituri» ernannt wurde. 1900 unternahm er eine dreimonatige Reise zu verschiedenen Posten seiner Kompanie. Unterwegs trieb er die Kautschuksteuer ein und waltete als Schlichter bei lokalen Streitigkeiten.
1901, nach Ablauf seines Vertrags, kehrte F. nach Laufen zurück. 1902 erhielt er einen neuen Vertrag, reiste erneut in den Kongo-Freistaat und wurde im Dezember desselben Jahres zum «Chef de Zone Haute-Ituri» ernannt.
1905 begab sich F. nach Brüssel und heiratete Hedwig Stöcklin. Zusammen mit seiner Frau liess er sich 1906 in Stanleyville nieder, diesmal in der Funktion als «Chef de Zone» des Sektors Stanleyville. In der Abwesenheit des Gouverneurs arbeitete er halboffiziell als stv. Kommandant der ganzen Ostprovinz. Dabei soll er sich vor allem um die Administration gekümmert haben. Im Mai 1907 kehrte seine Frau aus gesundheitlichen Gründen alleine in die Schweiz zurück.
Obwohl F. Besorgnis über die Aufstände in der Ostprovinz äusserte, begab er sich nicht in die betroffenen Gebiete, sondern widmete sich weiterhin den Büroarbeiten. Im November 1907 kehrte der Gouverneur der Ostprovinz zurück, reiste aber sogleich weiter in die Aufstandsgebiete. Federspiel blieb in Stanleyville. Seine offizielle Stellung blieb indes ungeklärt. Er reiste zu dieser Zeit auch wieder als Steuereintreiber durch Gebiete, die mit den Kautschuksteuern im Rückstand waren.
1908, nach der Geburt seines ersten Sohnes, kehrte F. noch vor Ablauf seines Vertrages in die Schweiz zurück. Nachdem sein Vater ihm den Eintritt in die Zementfabrik verwehrte, meldete er sich erneut als Instruktionsoffizier, schloss die abgebrochene Ausbildung ab und wurde im Februar 1909 definitiv als Berufsoffizier angestellt. Danach arbeitete er u.a. als Platzkommandant in Basel, leitete als Major das Schützenbataillon 5 und während der Grenzbesetzung zur Zeit des Ersten Weltkriegs das Schützenregiment 10 als Oberstleutnant. Später übernahm er die Führung des militärischen Grenzkontrolldienstes. Aufgrund eines Herzleidens arbeitete er in den letzten Jahren seines Lebens nur noch im Instruktionskorps.

F.s Tätigkeit im Kongo-Freistaat fällt zeitlich mit den Kongogräueln zusammen. Im Zuge der rücksichtslosen Ausbeutung des riesigen Gebietes begingen die Kolonialherren fürchterliche Gräueltaten. U.a. zwangen sie die Einheimischen zur Zangsarbeit, folterten, mordeten und dezimierten die Bevölkerung zu einem grossen Teil. Viele der Schreckenstaten wurden im Zusammenhang mit der Eintreibung der Kautschuksteuern begangen. Gerade zur Zeit von F.s Rückkehr in die Schweiz thematisierten europäische Medien und Verbände diese Verbrechen in der Öffentlichkeit und schwere Anschuldigungen gegen die belgischen Behörden wurden laut, u.a. auch in den Basler Nachrichten. Als Reaktion darauf veröffentlichte F. 1909 die Schrift Wie es im Kongostaat zugeht. Skizzen. Darin nimmt er gegen die anklagenden Berichte Stellung, bezeichnet sie als übertrieben und versucht das grausame System des Kongo-Freistaates, mitsamt den Kautschuksteuern und der Fronarbeit als Strafe, weitgehend zu rechtfertigen. Angesichts der Berichte über die drastische Abnahme der Bevölkerungszahl verweist er auf Epidemien wie etwa Pocken. Er gibt an, keine Gräueltaten beobachtet zu haben und bemüht sich, den guten Namen weiterer im Kongo tätiger Schweizer vor möglichen Vorwürfen zu bewahren.

Kiki Lutz, 25/06/2015

Bibliografie

«Das Schicksal des Congo. Eine Gewissensfrage an die Menschheit», in Basler Nachrichten, 14. September 1908
Hans Werner Debrunner, Schweizer im kolonialen Afrika, Basler Afrika-Bibliographien, Basel 1991, S. 62-69
Erwin Federspiel, Wie es im Congostaat zugeht. Skizzen, Zürich 1909
Personenlexikon des Kantons Basel-Landschaft (Stand 01.04.2015): https://personenlexikon.bl.ch/Erwin_Federspiel