Pražák, Čeněk (1914-1996)

Bürger der Tschechoslowakei und ab 1989 von Dittingen. Geboren am 20. Februar 1914 in Prag, gestorben am 18. Oktober 1996 in Laufen. Sohn des Čeněk Pražák, Geschäftsmann und der Marie, Hausfrau. Heirat: 1942 mit Božena Vlková; 1953 mit Anna Mikotová. Kinder: Pavel (geb. 1944).
Maler, Zeichner, Illustrator, Grafiker, Objektkünstler, Keramikkünstler sowie Arbeiten im Bereich Kunst und Bau und Umweltgestaltung/Städtebau.
Seit früher Kindheit betätigte sich P. leidenschaftlich als Maler und Geigenspieler. Zunächst absolvierte er eine Lehre als Bankkaufmann. 1930 erste Malstunden bei Karel Peterka. 1934 Reise nach Paris. 1936-1938 Militärdienst. Ab 1938 Weiterbildung im Geigenspiel bei Spytihněv Šorm. 1942 Bekanntschaft mit Ladislav Bradáč, der bis zu seinem Tod 1949 P.s Lehrer blieb. Mitgliedschaft im Künstlerbund «Odborová Organisace». In den Wirren des Zweiten Weltkrieges wurden viele Frühwerke zerstört oder gingen verloren. 1945 erneut Militärdienst. 1946 Gründung der «Sozialistischen bildenden Front SWF» zusammen mit anderen Künstlern in Prag. Die SWF organisierte Aktionen gegen den "akademischen Kitsch" im Kino Kotva. Mitarbeit im Verlag Máj als Buchillustrator, u.a. von Jiří Skořepas «Orfeus». 1947 Arbeiten für diverse Prager Verlage. Teilnahme an Kinderbuch-Symposion am Jan Amos Comenius-Institut in Prag. Bekanntschaft mit Anna Mikotová.


1948-1949 Durch die Zerschlagung der Kulturszene und die Auflösung aller Verlage nach der kommunistischen Machtübernahme wurde P.s künstlerische Tätigkeit in Prag verunmöglicht, der Restbestand seines Frühwerkes wurde vernichtet. Umzug mit Anna Mikotová zum Schriftsteller Vladimír Neff nach Slapy. Der Umschlag des Buches «Orfeus» nahm ohne P.s Wissen (auf Initiative des Druckers) an der Ausstellung «The Art of the Book Jacket» in London teil und gewann den dritten Preis. Die anschliessende Ausstellungs-Tournee in Europa und den USA erweckte Aufsehen in internationalen Kunstzeitschriften, meist illustriert mit P.s Abbildung von 1946.
1950 Flucht mit Anna Mikotová nach Chouzavá, wo die beiden ein Jahr lang bei Oberförster Arnošt Möbes unterkamen und im Wald als Förster, Pilze- und Samensammler arbeiteten. Bekanntschaft mit František Tichý, dessen Schüler und Mitarbeiter P. wurde. 1951 Rückkehr nach Prag, erster Kontakt zur Schweizer Botschaft, nachdem er in der Schweizer Zeitschrift Graphis seine preisgekrönte Titelillustration zu «Orfeus» entdeckt hatte. Trennung von seiner ersten Ehefrau. 1952 Arbeit in einer Acetonfabrik und als Puppenmaler zusammen mit Anna Mikotová. 1953 Heirat mit Anna Mikotová. 1954 Ausschluss aus dem Tschechischen Künstlerbund wegen formalistischer Differenzen. 1958 Zusammenarbeit mit František Tichý an Entwürfen für den tschechischen Pavillon an der EXPO in Brüssel. Ab 1960 Mitglied der tschechischen Avantgarde-Gruppe «Máj». 1961-1963 wechselten sich Anerkennung (Ankäufe durch das Ministerium für Kultur) mit empörten Reaktionen des kommunistischen Establishments auf seine Werke ab. 1964 erste Einzelausstellung (Galerie am Karlsplatz) in Prag; danach Wiederaufnahme in den Künstlerbund. 1965 Reise nach München. 1966 Teilnahme an der Reise des Tschechoslowakischen Künstlerbundes nach Venedig zur Biennale. Organisation des 1. Prager Salons, der vorwiegend unbekannten Künstlern/-innen eine Ausstellungsplattform bieten sollte. 1967 Reise nach Polen an eine Ausstellung Prager Künstler. Reise nach Linz, nachdem die österreichische Künstlervereinigung «MÄRZ» für die Gruppe «Máj»eine Ausstellung organisiert hatte. 1968 Organisation einer Ausstellung für die Künstlergruppe «MÄRZ» in Prag und Bekanntschaft mit den in Dittingen wohnhaften Bildhauern Alfred und Jacqueline Gruber. Stipendien der Inter-Nationes und der Adalbert Stifter-Stiftung zum Studium der Kunst des Lucas Cranach d.Ä. und der modernen Kunst in der Bundesrepublik. Reise mit Anna Mikotová nach Paris, Basel und Dittingen. Bekanntschaft mit dem Laufner Architekten Giuseppe Gerster. 1969 Organisation der Ausstellung «Artisti contemporanei di Praga» in Bologna und des 2. Prager Salons.


Am 3. September 1969 Emigration zusammen mit seiner Ehefrau via Österreich in die Schweiz. Niederlassung in Dittingen im Haus auf Chattel mit Atelier bei einem alten Steinbruch. 1970 erste Einzelausstellung in der Schweiz. 1971 Erste Kunst am Bau-Arbeit im Fenignerspital in Laufen. Mitglied der «Czecho-Slovak Society of Arts and Sciences New York». 1972 Mitglied der Gesellschaft Schweizerischer Maler, Bildhauer und Architekten GSMBA. 1974 Eintritt ins Kammerorchester Laufental-Thierstein (ab 1978 Konzertmeister). 1976 Erste Einzelausstellung in Laufen. 1983 Präsident der «Society of Arts and Sciences, Schweiz». 1985 Tod von Anna Mikotová. Nach der Wende wurde P. 1992 mit einer Ausstellung in Prag und einer umfassenden Sendung des Tschechischen Fernsehens gewürdigt. P. wohnte und arbeitete bis zu seinem Lebensende in Dittingen.

Kiki Lutz, 2/01/2012
Letzte Aktualisierung: 6/03/2015

Bibliografie

Biografisches Lexikon der Schweizer Kunst, Zürich und Lausanne 1998
«Chronik», in Laufentaler Jahrbuch, Nr. 10, 1995, S. 122
«Dittingen» in Laufentaler Museumsverein (Hg.), Laufentaler Museumshefte, Nr. 6, Laufen 1993, ohne Seitenzahl


Albin Fringeli, «Moderne Kunst im Laufner Stadtbild», in Albin Fringeli (Hg.), Laufen, Laufen erw. Auflage 1986, S. 318 u. 320


Fritz Hof, «Der Mensch lebt nicht vom Brot allein», in Albin Fringeli (Hg.), Laufen, Laufen erw. Auflage 1986, S. 343-344
Künstlerverzeichnis der Schweiz 1980-1990, Frauenfeld 1991


Anne Kunz, «"Ohne innere Freiheit ist jede andere Freiheit Prothese". Ein Portrait des emigrierten tschechischen Künstlers Čeněk Pražák (1914-1996)», in Baselbieter Heimatbuch, Bd. 21, 1997, S. 151-160
Lexikon der zeitgenössischen Schweizer Künstler, Frauenfeld 1981
John Matheson, Pražák, Alfortville 1989
SIKART Lexikon und Datenbank zur Kunst in der Schweiz und im Fürstentum Lichtenstein, Online Version (Stand 07.12.2011): http://www.sikart.ch/KuenstlerInnen.aspx?id=4001301