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Glögglifels (historischer Passübergang)

Befund: Historischer Passübergang
Datierung: Frühes Mittelalter bis 19. Jh.
Fundsammlung: Spuren sichtbar in situ



Der markante «Glögglifels» steht auf 520 m. ü. M am gemeinsamen Grenzpunkt der Gemeinden Grellingen, Nenzlingen und Pfeffingen. Es handelt sich um einen gewachsenen Felsen, keinen abgebrochenen Block oder Findling.
Der G. steht an einer alten Passstrasse, die vom Laufental ins Birseck führte. Dies belegen die rund 18 m Länge, über die der Fels angeschnitten und durch die passierenden Wagen glatt geschliffen ist, sowie die ca. 10 cm tiefen Karrengeleise am Boden. Dabei handelte es sich hier im Vergleich zum etwas höher gelegenen Plattenpass, der ebenfalls über den Blauen führte, um die schmalere Wegvariante für kleinere Wagen. Die Durchfahrt war maximal 150 cm breit. Auf der anderen Seite des Felsens stand Fussgängern zudem ein teilweise aus dem Stein gemeisselter schmaler Durchgang zur Verfügung. Beide Durchgänge konnten abgesperrt werden, wie die in den Stein gehauenen Nuten und alte Dokumente mit Zollvorschriften vermuten lassen.
Das alte Wegstück wurde um 1900 wiederentdeckt und 1989 im Rahmen der Erstellung des Inventars historischer Verkehrswege der Schweiz IVS freigelegt und ins Inventar aufgenommen. Alban Gerster (1973) schloss die Möglichkeit nicht aus, dass der Übergang  schon von den Römern angelegt worden sein könnte und Drack / Fellmann (1991) vermuteten, dass hier eine Variante der Römerstrasse von Petinesca nach Augusta Raurica vorbeiführte. Konkrete Hinweise gibt es aber erst für das frühe Mittelalter, z.B. in einer Legende zur Gründung des Klosters Moutier-Grandval, die auf die Öffnung der Birsklusen verweist. Auch der archäologisch belegte Aufschwung von Basel im 7. Jh. und die Verlagerung des regionalen städtischen Zentrums dortin lassen es plausibel erscheinen, dass die Route durch das Birstal damals an Bedeutung gewann und ausgebaut wurde. Sicher ist, dass dieser historische Strassenabschnitt bis ins 19 Jh. befahren wurde. Der Name «Glögglifels» könnte daher rühren, dass die Fuhrleute bei verschlossenem Durchgang mit einer Glocke den Zöllner rufen mussten, denn auf diesem Weg umgingen sie die Zollstationen von Angenstein und Grellingen. Auf die Zeit der Ausmarchung der hier verlaufenden Kantonsgrenze (1822) verweisen die aufgemalten Wappen von Basel und Bern, die zusammen mit eingemeisselten Sprüchen den Felsen zieren.

Autor*in der ersten Version: Kiki Lutz, 16/07/2012

Letzte Änderung: 21/12/2021

Bibliografie

Baselland Tourismus, Website (Stand 18.05.2012) http://www.baselland-tourismus.ch/erlebnis-und-gastronomie/sehenswuerdigkeiten/2842/letzi-glogglifels
Christina Borer-Hueber, «Nenzlingen: Der "Glögglifels"-Pass», in Laufentaler Jahrbuch Nr. 8, 1993, S.63-65
Andreas Cueni, Giuseppe Gerster, Markus Jermann, René Salathé, «Kultur- und Baudenkmäler im Laufental», in Das Schöne Baselbiet, Heft 15, 1994, S. 46
Walter Drack und Rudolf Fellmann, Die Schweiz zur Römerzeit. Führer zu den Denkmälern, Zürich 1991, S. 187-188
Alban Gerster, «Alte Passübergänge über den Blauenpass», in Regio Basiliensis, Jg. 14, 1973, S. 490-499
IVS Dokumentation BL 8, Online-Version (Stand: 04.06.2012): http://ivs-gis.admin.ch/#
Adrian Schmidlin, «Der Glögglifels», in Heimatkunde Grellingen, Liestal 1999, S. 171

Mit freundlichen Hinweisen von Reto Marti, Kantonsarchäologe Kanton Basel-Landschaft.

Bildnachweis

Glögglifels. Bild: Archäologie und Museum Baselland.

Zitiervorschlag

Kiki Lutz, «Glögglifels (historischer Passübergang)», Lexikon des Jura / Dictionnaire du Jura (DIJU), https://diju.ch/d/notices/detail/1000372-glogglifels-historischer-passubergang, Stand: 05/02/2023.

Kategorie

Archäologie
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