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Höllmüller, Édouard (1938-)

Bürger von Winterthur (ZH). Geboren als Eduard Philipp Höllmüller am 2. August 1938 in Winterthur. Ältester Sohn von Philipp Jakob Höllmüller, Schreiner, und Alice Veronika Ammann, Weissnäherin und Kellnerin. Heirat: 1963 mit Micheline Höllmüller, geb. Emery, Lehrerin. Kinder: Pierre, Forscher der angewandten Physik; Cédric, Kunsttischler, Holzingenieur, Erfinder; Violaine, während drei Tagen am Leben; Philippe, mikrotechnischer Zeichner, Informatiker.

Beruf: Lehrer, Fremdenführer, Schriftsteller, Übersetzer. Religion: Protestantisch getauft; im Alter von 10 Jahren infolge der elterlichen Scheidung "katholisiert"; als Jugendlicher aktiv in der «Action catholique»; infolge Heirat Öffnung hin zur Ökumene; 2009 Austritt aus der katholischen Kirche nach der Leugnung der Shoah durch Bischof Williamson; schliesslich praktizierender Anhänger einer menschlichen, laizistischen Spiritualität.


Nach der Scheidung seiner Eltern zog H. zusammen mit seinem jüngeren Bruder zu seinen Grosseltern mütterlicherseits nach Rorschach (SG) und besuchte dort die Primarschule (1945-1951). Anschliessend wechselte er sowohl sein Umfeld wie auch die Sprache und zog zu seiner Tante nach La Chaux-de-Fonds (NE), wo er Progymnasium und Gymnasium absolvierte. Zu seinen dortigen Lehrern zählten Albert Py und Yves Velan. Nach der Matur (Latein und moderne Sprachen) studierte er Französisch, Deutsch und Englisch an der Universität Neuenburg und schloss 1964 mit dem Lizentiat ab.

Von 1960 bis 1965 arbeitete H. als Lehrer am Progymnasium und Gymnasium in La Chaux-de-Fonds. In dieser Zeit engagierte er sich politisch und beteiligte sich im Auftrag der chinesischen Botschaft an der französischen Übersetzung der Werke von Mao Zedong aus dem Englischen. Zusammen mit seiner zukünftigen Frau gründete er die der Neuenburger «Nouvelle Gauche socialiste» nahestehende überparteiliche Jugendbewegung «Jeunesse progressiste». Nach einem vielversprechenden Start überdauerte die Gruppe die Auflösung der Mutterpartei allerdings nicht.

1965 zog H. nach Kinshasa (Kongo) und arbeitete bis 1969 als Französisch-, Englisch- und Philosophielehrer am Gymnasium Pestalozzi (gegründet vom HEKS/EPER) und danach als Anglistikassistent an der Université de Lovanium (eine Gründung der katholischen Universität Löwen). 1971 kehrte er in die Schweiz zurück. Während 29 Jahren bis zu seiner Pensionierung arbeitete er als Französischlehrer am Gymnasium Liestal (BL). Dort führte er die ersten Schüleraustausche zwischen Liestal und La Chaux-de-Fonds durch und lancierte die «Fête de lecture» – eine regelmässige Diskussionsrunde der Französischlehrer zu Lektürevorschlägen für ihre Klassen. 1979 zog H. mit seiner Familie nach Villars-sur-Fontenais, nahe Pruntrut. Seither betätigt er sich im Jura und in der Region Basel als Kulturvermittler – unterstützt vom Lehrer Robert Kopp, seinem ehemaligen Maturexperten in Liestal.

Nach seiner Pensionierung arbeitete H. von 2003 bis 2015 als Fremdenführer von Pruntrut und Umgebung. In den Jahren 2004 bis 2008 konzipierte und realisierte er den Kulturpfad für das Festival Piano in Saint-Ursanne. 2008 beteiligte er sich aktiv an den Feierlichkeiten des Blarer-Jahres, das von der Fremdenführervereinigung von Pruntrut im Andenken an den 400. Todestag des Fürstbischofs Jakob Christoph Blarer von Wartensee lanciert wurde. Im Andenken an Abner Sanglard verfasste er Texte für das Jubiläumskonzert der Fanfare de Fontenais, 2012. Seit 1989 betätigt er sich auch selbst musikalisch, indem er in verschiedenen Chören mitsingt.

In der Öffentlichkeit ist H. vor allem als Schriftsteller und Übersetzer von deutschen Texten ins Französische bekannt, besonders für seine Übersetzung der Jura-Chroniken Nebenaussen von Christian Schmid (Aux bornes, Éditions d’en bas, 2005) und Blaue Mauer von Katharina Zimmermann (La crête bleue, Éditions d’en bas, 2007). 1985 erschien sein erster eigener literarischer Text, die Novelle L'entendu in der Sammelausgabe La Montagne aux vingt miroirs mit ausgewählten Texten des Novellen-Wettbewerbs zum 600. Jubiläum der Freiberge (Atelier du Soleil). 2012 erschien L'Envol. Fragments de langue paternelle  – ausgehend von der Familiengeschichte des Autors, die von familiären Dramen wie dem Selbstmord seines Vaters 1948 und demjenigen seines einzigen Bruders 2001 geprägt ist. Das Buch sorgte für einiges Aufsehen (s.a. die komplette Liste der Publikationen S. 2).

H.s Wurzeln in der Ajoie reichen nur bis ins Jahr 1979 zurück. Aus diesem Grund hat sich H. nie direkt an den Diskussionen rund um die Jurafrage beteiligt. Doch im Sommer 2006 engagierte er sich mit Beiträgen in der Presse am Protest für die Erhaltung des Industriestandortes der Boillat SA in Reconvilier. An der Generalversammlung der Swissmetal vom 30. Juni in Bern vertrat er als Sprecher den Vorstoss, dem Verwaltungsrat die Decharge zu verweigern – letztlich ohne Erfolg. 2010/11 ging er für eine jurassische Eigenheit in Sachen Bildung und Kultur auf die Barrikaden. Zusammen mit Laure Donzé und anderen Lehrern und Lehrerinnen, der Leitung des Gymnasiums und der Regierungsrätin Elisabeth Baume-Schneider, setzte er sich mit Erfolg für die Erhaltung der Theatermatur ein, die in der Schweiz einzigartig ist.

Publikationsliste:


Literaturübersetzungen

Nebenaussen von Christian Schmid ; französischer Titel: Aux bornes, Lausanne, Editions d’En bas, 2005

Blaue Mauer von Katharina Zimmermann; französischer Titel: La crête bleue, Lausanne, Editions d'En bas, 2007


Eigene literarische Werke

«L'entendu», in Sylviane Chatelain et al., La montagne aux vingt miroirs, Saignelégier, Atelier du Soleil, 1985

«Partir», in Arbër Ahmetaj et al., Le chameau dans la neige et autres récits de migrations, Lausanne, Editions d’En bas, 2009

L'Envol, Fragments de langue paternelle, Lausanne, Editions d'En bas, 2012

Dérives, Essai de sur-vie, Lausanne, Editions d'En bas, 2015

«L'originel, Conte divin» in Jura l’original, Juni 2016, S. 40-41

 

Artikel, Würdigungen, Vorträge

Präsentation von René Lovy anlässlich seiner Ausstellung in der Galerie Au Virage, 1998

Präsentation von Claudine Houriet an ihrer Ausstellung und Lesung im Art-Etage in Biel, 2009

Präsentation von Madeleine Nappez anlässlich ihrer Ausstellung im FARB, 2011

Würdigung von Abner Sanglard für die Ausgabe von Piano à St-Ursanne zu seinem Andenken, 2014

«Le violoncelle magique», in « La der » von l’Arc hebdo, 24. Dezember 2015

«Le Congo, métaphore du monde», Le Quotidien jurassien, 5. Januar 2016

«L’affaire Musey 28 ans après l’expulsion», Le Quotidien jurassien, 11. Januar 2016

Regelmässige Beiträge in Fontenais Information, Rubrik «D’ailleurs et d’ici», seit 2004

Mehrere Leitartikel im Magazine des planches

«Helvétiquement vôtres, et le Jura en partage», Vortrag mit Katharina Zimmermann, Schweizer Botschaft in Paris, 2013

«La main de l’artisan», Artikel über Jean Paul Blais anlässlich seiner Ausstellung in der Ferrari Art Gallery, Vevey, 2014

«La francophonie, une histoire en marche», Vortrag im Rahmen der «Uni du 3e âge», La Chaux-de-Fonds, 2014

Runder Tisch am 3. kongolesischen Buchfestival, als Gast der Schweizer Botschaft, 2015


Radiointerviews und Fernsehauftritte

Siesta « à Porrentruy » mit Christian Schmid, DRS1, 2005

Aux bornes des préjugés culturels mit C. S. am Mikro von Patrick Buchwalder, RFJ, 2005

Präsentation von Aux bornes vor der Assemblée interjurassienne, zusammen mit dem Autor, 2006

Intérieurs mit Daniel Fazan, in der Collégiale de Saint-Ursanne, Espace 2, 2006

Le Jura raconté aux Allemands, mit A. Schneider-Solis, MDR1 Sachsen-Anhalt, 2007

Autour de la Saint-Martin, Runder Tisch in Chevenez mit J.-M. Probst, RFJ, 2007

Courgenay, la Pierre percée et la Vouivre mit F. Pambianco Carella, journal de midi RTS1 + TV5, 2007

Passe-moi les jumelles mit Michel Favre, le Jura de Boncourt à Chasseral, 2008

Interview von Hélène Theurillat-Moll, in l’Arc Hebdo, Rubrik «Les Gens», 2009

Invité de la rédaction von Jacques Houriet, Le Quotidien jurassien : «C’est pour voir par-dessus les collines que je fais des traductions», 2010

La Crête bleue auf RFJ und im Musée jurassien d’art et d’histoire, 2012

L’envol, Entre les lignes mit Christian Ciocca, Espace 2, 2012

L’envol, im Rahmen des Mai littéraire von Philippe Rebetez, mjah, 2012

Entre les lignes mit Christian Ciocca, 2012

Les grands témoins, Radio Okapi Kinshasa, 2015

L’horloge de sable (letzte Ausstrahlung) von Christian Ciocca, Espace 2, auf Dérives, 2016

Au domaine de poésie mit Pascal Payen Appenzeller, radio Courtoisie, Paris, 2016

Autor*in der ersten Version: Kiki Lutz, 24/11/2017

Übersetzung: Kiki Lutz, 10/01/2020

Bibliografie

www.lelivresurlesquais.ch (Stand vom 08.09.2016)

www.rts.ch (27.8.2016)

www.viceversaliteratur.ch (Stand vom 08.09.2016)

Informationen erhalten von Édouard Höllmüller (28.09.2016, 11.10.2016, 12.10.2016, 30.11.2016, 01.12.2016)

Bildnachweis

É

Zitiervorschlag

Kiki Lutz, «Höllmüller, Édouard (1938-)», Lexikon des Jura / Dictionnaire du Jura (DIJU), https://diju.ch/d/notices/detail/1003624-hollmuller-edouard-1938, Stand: 22/05/2024.

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