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Membrez, Amédée (1873-1954)

Bürger von Courtételle. Geboren am 15. November 1873 in Bern. Gestorben am 4. November 1954 in Freiburg i. Ü., begraben in Rechthalten (FR). Sohn des Joseph Auguste und der Marie Colombe, geborene Koll, Kurzwarenhändler. Heirat 1920 mit der österreichischen Köchin Anna Lindner (1879-1939). Das kinderlose Paar nahm 1933 ein Pflegekind auf.
Nach seiner Kindheit in Bern, besuchte M. die Schulen in Inzlingen (Baden-Württemberg, D) und die Universität in Freiburg i. Br. (D). Aufgrund seiner zunehmenden Schwerhörigkeit musste er sein Studium in lateinischer Philologie abbrechen. Von 1907 bis 1915 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Pfarrer Baptiste Ellerbach in Carspach (nahe Altkirch im damals besetzten Elsass) an Recherchen und Archiverschliessungen zu einem Werk über den Dreissigjährigen Krieg im Elsass, dessen erster Band 1912 erschien. Nach dem Ableben Ellerbachs 1924 übernahm M. von Bern aus die Arbeit für die Veröffentlichung des zweiten Bandes im Jahr 1925 (s. sein Begleitwort, das dem Band vorangestellt ist).
Während des Ersten Weltkriegs kehrte M. in die Schweiz zurück und arbeitete temporär in Bern als Angestellter des Zentralbüros des Schweizerischen Fürsorgevereins für Taubstumme. Die Direktion des Vereins ermutigte ihn, sich auf einen Posten am Berner Staatsarchiv zu bewerben, wo sich die dringende Aufgabe der Ordnung und Erschliessung der Bestände des Archivs des ehemaligen Fürstbistums Basel (Archives de l’Ancien Évêché de Bâle, AAEB) stellte.
Auf Betreiben des Berner Kantonsarchivars, Gottlieb Kurz, schuf der Berner Regierungsrat am 4. Februar 1916 einen interimistischen Posten für M. Im September 1920 wurde er zum Hilfsarchivar ernannt. Trotz seines Gehör- und später Augenleidens, besass der perfekt zweisprachige ausgezeichnete Latinist, Historiker und Schriftkundler alle Voraussetzungen, um seine Aufgabe hervorragend zu erfüllen. Von 1916 bis 1943 ordnete er die Bestände gemäss dem Archivplan des fürstbischöflichen Archivaren Leonard Leopold Maldoner aus dem 18. Jh. Er ergänzte dessen Inventar durch zahlreiche detaillierte Bestandsbeschreibungen, die bis heute als Grundlage der beiden Hauptverzeichnisse (A und B) des AAEB dienen. Später wurde sein handschriftliches Inventar auf 3000 maschinengeschriebenen Seiten zusammengefasst, die heute im AAEB, im Staatsarchiv Bern und im Staatsarchiv Basel-Stadt (als «Membrez-Blätter») einsehbar sind. Am 1. Juli 1943 ging M. aufgrund seiner «fragilen Gesundheit» in Pension (ab 1945 übernahm André Rais die Leitung des AAEB). Ab 1945 wohnte M. in einem Altersheim in Freiburg i. Ü.
1928 erschien seine Studie Die Burgvogtei Binzen unter den Fürstbischöfen von Basel, 1503-1769, Freiburg i/Br. : Herder & Co., 1928. Ausserdem trug er ab 1930 regelmässig als Korrespondent zur Zeitschrift Das Markgräflerland bei. Ab der zweiten Ausgabe erschienen darin seine grundlegenden Beiträge zur Geschichte von Binzen (D) und dessen Burgvogtei, zur Geschichte der Herrschaft von Schliengen (D) und zu allen rechtsrheinischen Besitztümern des Fürstbistums Basel. M. publizierte auch zu anderen Themen, so etwa seine Geschichte des Weinbaues im Laufental (1947) und Fromages du Jura (1951).

Jean-Jacques Kottelat, unter Mitarbeit Red. DIJU und AAEB, 27/04/2020
Übersetzung: Kiki Lutz, 28/04/2020

Bibliografie

« Amédée Membrez (1916-1943) », in Marco Jorio, « Das Schicksal des fürstbischöflich-baslerischen Archivs seit 1789: ein bewegtes Stück schweizerischer Archivgeschichte », Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde, 83, 1983, S.. 85-125, bes. S. 110-111
Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur, 17, 1, 1955, S. 69
Le Démocrate, 6. November 1954
E. M., « 25 Jahre Archivdienst », Die Berner Woche, 31, 7, 15. Februar 1941, S. 163 (mit Portrait) und 167