Dolmengräber, Laufen

Dolmengräber, LaufenBefund: Zwei Dolmengräber
Datierung: um 3000 v. Chr. (Jungsteinzeit)
Grabungen: Dolmengrab 1: 1946 Alban Gerster, 1989 Archäologischer Dienst Kanton Bern; Dolmengrab 2: 2000 Kantonsarchäologie Baselland
Funde: Überdachung bei der Katharinenkirche neben Museum Laufental

Das erste Dolmengrab von Laufen wurde 1946 durch Alban Gerster entdeckt, als an der Wahlenstrasse neue Werkhallen für die Keramische Industrie AG errichtet wurden. Es kamen mehrere Teile grosser Kalkplatten, einige Knochensplitter und 121 Zähne (von 24 Erwachsenen und 8 Kindern) zum Vorschein, jedoch keinerlei Grabbeigaben. 1989 wurden wegen eines geplanten Erweiterungsbaus Nachgrabungen durch den Archäologischen Dienst Bern angestellt. In der Folge wurde das Grab sorgfältig rekonstruiert und restauriert und 1991 an einen neuen überdachten Standort neben der Katharinenkirche in Laufen verlegt. Die drei erhaltenen seitlichen Kalksteinplatten bilden eine leicht trapezförmige Grabkammer von ca. 2 x 1.75m Grundfläche. Darüber ist eine weitere verwitterte Steinplatte aus dem Fund als Deckplatte angebracht. Zur Zeit der Nutzung wurde diese Konstruktion wahrscheinlich von einem Tumulus umschlossen. Die vierte Seitenplatte wurde nicht gefunden. Sie würde wohl ein sog. «Seelenloch» aufweisen. Dieser Begriff knüpft an die Vorstellung an, dass die Seelen durch ein Loch in der Grabplatte aus dem Innern ins Jenseits entweichen konnten – ob die Erbauer solche Vorstellungen hegten, kann man nicht wissen. Die praktische Funktion der Öffnung bestand darin, dass auch nach der Fertigstellung des Grabbaus Leichen in die Grabkammer geschoben werden konnten. Denn Dolmen dienten als kollektive Grabstätten, in die über Generationen hinweg immer neue Verstorbene gelegt wurden. Das Knochen- und Fundmaterial aus der Grabung von 1946 war zur Zeit der Rekonstruktion inzwischen verschollen und es gab keine weiteren Funde aus der Nachgrabung. Daher konnte keine C14-Datierung durchgeführt werden, welche den Zeitraum der Bestattungen eingegrenzt hätte.

Im Februar 2000 stiess ein Baggerführer beim Bau einer Garage an der Wahlenstrasse ca. 120m südöstlich der ersten Fundstelle erneut auf eine ca. 2.9 x 1.7 m grosse und 40 cm dicke Kalksteinplatte. Die umgehend herbeigerufene Kantonsarchäologie Basel-Landschaft stellte fest, dass hier Reste eines zweiten jungsteinzeitlichen Dolmengrabs vorhanden waren. Bei der freigelegten Platte handelte es sich um eine Seitenwand, die bereits in römischer Zeit umgefallen war. Damals wurde das Grab vermutlich geplündert, worauf auch eine römische Münze aus dem späten 3. Jh. (Kaiser Victorinus 269–271 n. Chr.) hinweist, die unter der Platte zum Vorschein kam. Neben der Grabkammer fand man eine ca. 1m tiefe Grube mit stark fragmentierten Skelettresten und einer 5 cm langen Pfeilspitze aus Silex. Eine Analyse mittels der Radiokarbonmethode C14 ergab eine Datierung auf ca. 2900 v. Chr. Die Bestattungsreste waren möglicherweise bei den Zerstörungen durch die Plünderung in die Grube gelangt. Auch römische und frühmittelalterliche Keramikscherben kamen dort zum Vorschein. Die fehlenden Steinplatten des Grabes wurden vermutlich zur Verwendung beim Bau des nahe gelegenen römischen Gutshofs von Laufen-Müschhag entfernt. Das erhaltene Stück ist heute neben dem ersten Dolmengrab unter dem Schutzdach bei der Katharinenkirche in Laufen untergebracht.

Die tonnenschweren Kalksteinplatten beider Dolmen stammen wohl aus einem Steinbruch in ca. 600-800 m Entfernung bei der Birs. Die Platten wurden erst vor Ort mit Steinschlegeln aus Quarzitgeröllen passgenau zugehauen.
Der Fund von gleich zwei jungsteinzeitlichen Dolmengräbern in Laufen ist bemerkenswert, weil Anlagen dieser Art in der Region sonst sehr selten sind. Bekannt sind nur noch drei weitere Dolmen in Aesch, Schwörstadt (D) und Courgenay.

Kiki Lutz, 20/06/2012
Letzte Aktualisierung: 9/12/2013

Bibliografie

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Bildnachweis

Rekonstruktion des ersten Dolmengrabes in Laufen. Bild: Archäologie und Museum Baselland.