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Voyame, Joseph (1923-2010)

Voyame, Joseph (1923-2010)

Aus Bassecourt. Geboren 1923 in Courfaivre. Gestorben am 7. Februar 2010. Sohn von Paul Voyame, SBB-Angestellter, Gemeinderat von Courgenay, dann Abgeordneter im Grossen Rat von Bern (1956-1964), und von Marie, geborene Girardin, Büroangestellte. Katholisch. V. absolviert eine klassische Matur an der Kantonsschule Pruntrut (1941), anschliessend das Lizentiat in Jurisprudenz an der Universität Bern. Nach Anwaltspraktika in Pruntrut, Delsberg und Bern erlangt V. sein Anwaltspatent (1947). Von 1945 bis 1952 arbeitet V. als Gerichtsschreiber am Berner Obergericht, von 1952 bis 1961 beim Bundesgericht in Lausanne. Er leitet anschliessend das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum in Bern (1962-1969). In dieser Eigenschaft ist er von 1967 bis 1969 insbesondere Präsident des Patentkomitees des Europarates. Daraufhin wird er stellvertretender Direktor der Weltorganisation für Geistiges Eigentum in Genf (Sonderorganisation der UNO) von 1969 bis 1973. Schlussendlich leitet er das Bundesamt für Justiz in Bern (1973-1988). In dieser Funktion ist V. insbesondere der Vertreter (d. h. der Anwalt) der Schweizerischen Regierung vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg, Vizepräsident der Kommission zur 'berarbeitung der Eidgenössischen Verfassung (1974-1977), Präsident der Arbeitsgruppe für die Ausarbeitung einer neuen Aufgabenteilung zwischen der Eidgenossenschaft und den Kantonen (1978-1982), Ratspräsident des Schweizerischen Instituts für Rechtsvergleichung in Lausanne (1982-1992) sowie Kopräsident der Kommission der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA), die die Aufgabe hat, eine internationale Konvention bezüglich der Gerichtszuständigkeit und der Urteilsvollstreckung auszuarbeiten. 1981 bewirbt sich V. erfolglos für das Amt des Bundeskanzlers. Parallel zu seinen beruflichen Aktivitäten macht V. auch eine steile universitäre Karriere. Von 1964 bis 1970 ist er Lehrbeauftragter an der juristischen Fakultät der Universität Bern. Anschliessend wird er zum ausserordentlichen Professor an der juristischen Fakultät der Universität Lausanne ernannt (1970-1990), wo er insbesondere 21 Dissertationen betreut. Schlussendlich ist er von 1988 bis 1993 ausserordentlicher Professor am Hochschulinstitut für öffentliche Verwaltung (IDHEAP) in Lausanne. Er ist ebenfalls Autor zahlreicher Publikationen und hat eine Vielzahl an Vorträgen sowohl in der Schweiz als auch im Ausland gehalten. 1988 geht V. in Pension, bleibt aber dennoch weiterhin sehr aktiv, indem er an vielen Gutachten oder amtlichen Erhebungen beteiligt und Mitglied oder Präsident mehrerer internationaler Kommissionen ist. Er hat insbesondere den Vorsitz des UNO-Ausschusses gegen die Folter inne (1987-1993), ist Sonderberichterstatter der Kommission für Menschenrechte (1988-1992), leitet das rumänische Institut für Menschenrechte in Bukarest (1993), ist Mitglied der Expertenkommission für die Reform der ungarischen Justiz (1993-1995), präsidiert die Arbeitsgruppe über die Schweizerische Entwicklungszusammenarbeit in Ruanda (1994-1996) und ist Vizepräsident der unabhängigen Expertenkommission Schweiz ' Zweiter Weltkrieg (« Bergier-Kommission », 1996-April 2000). Im Jura ist V. Mitbegründer der Arbeitsgruppe, die unter der Schirmherrschaft des Jurassischen Anwaltsverbandes geschaffen wurde, um den Entwurf einer Kantonsverfassung auszuarbeiten. Darüber hinaus ist er der Redaktor dieses Verfassungsentwurfes und seines erklärenden Kommentares (veröffentlicht im Dezember 1975). V. ist von 1994 bis 2000 Mitglied der Interjurassischen Versammlung (IJV) und kopräsidiert diese. V. ist auch Mitglied des Jurassischen Instituts der Wissenschaften, Literatur und Künste (« Institut jurassien des sciences, des lettres et des arts », IJSLA). V. erhält die Ehrenmedaille des Europarates (1987) sowie den Doktor honoris causa der Universität Neuenburg (1988). 1998 wurde er mit dem Preis der Künste, Literatur und Wissenschaften der Republik und des Kantons Jura ausgezeichnet.

Emma Chatelain, 18/05/2006
Übersetzung: Vanja Hug, 13/05/2011
Letzte Aktualisierung: 21/07/2011

Bibliografie

Die Informationen wurden der Autorin von Joseph Voyame mitgeteilt.
Bernard Prongué (dir.), Le canton du Jura de A à Z, Porrentruy, 1991, S. 206-207.
Dominique Prongué (dir.), La Radio Suisse romande et le Jura 1950-2000, Lausanne, 2008, S. 29