Français

Groupement féminin de Force démocratique GFFD

Groupement féminin de Force démocratique GFFD

Das Groupement féminin de Force démocratique GFFD (= Frauenorganisation der Force démocratique) wurde am 5. August 1974 in Reconvilier offiziell gegründet – d.h. also kurz nach dem ersten Juraplebiszit vom 23. Juni (s.a. Jurafrage). Die Entstehung der Bewegung geht jedoch auf den März 1974 zurück, als Geneviève Aubry von Stimmen aus ihrem Bekanntenkreis aufgefordert wurde, die Frauen im Hinblick auf die anstehenden Parlamentswahlen im Kanton Bern zu sensibilisieren. Geneviève Aubry nahm die Herausforderung an und versammelte in ihrem Umkreis eine Gruppe von Frauen, die bereit zum politischen Handeln waren. Die sofort nach dem 23. Juni 1974 lancierte Unterschriftensammlung zum zweiten Plebiszit genoss eine starke Unterstützung durch diese Aktivistinnen, die sich daraufhin in einer Vereinigung organisieren wollten. Bei seiner Gründung gab sich das GFFD als Leitmotiv: « Nous voulons CONSTRUIRE et non DEMOLIR » (=„Wir wollen aufbauen, nicht zerstören“).
Von 1974 bis 1981 war Geneviève Aubry Präsidentin, umgeben von drei Bezirksleiterinnen: Madeleine Wyss, Klavierlehrerin und Stadträtin aus Crémines (Bezirk Moutier, gleichzeitig Vizepräsidentin des GFFD), Marguerite Logos, Lehrerin (Bezirk Courtelary) und Danièle Vogt, Lehrerin (Bezirk La Neuveville). Jenny Boillat ergänzte das Team als Sekretärin.
Der erste Kongress des GFFD fand am 1. März 1975 in Eschert statt. Damals zählte die Vereinigung 5000 Mitglieder.
Das GFFD verstand sich als von der Force démocratique FD unabhängige Organisation mit eigenem Sekretariat und Pressebüro, obwohl die Ziele der beiden Gruppierungen identisch waren. Dennoch publizierte das GFFD seine Beiträge regelmässig im Jurassien (Organ der Union des Patriotes jurassiens UPJ und später der FD).
Die Aktionen des GFFD bezogen sich im Wesentlichen auf die Jugend, indem enge Beziehungen zur Jugendorganisation Groupe Sanglier gepflegt wurden, sowie auf die Presse, der vorgeworfen wurde, den Separatisten nahe zu stehen. Der Vorwurf der Entmündigung von Presse, Radio und Fernsehen in der Romandie durch das Rassemblement jurassien RJ bildete das immer wiederkehrende Thema in den Texten des GFFD und wurde im Juni 1975 so stark, dass das GFFD die Association des auditeurs et téléspectateurs du Jura bernois gründete (=Vereinigung der Hörer/innen und Fernsehzuschauer/innen des Berner Juras).
Vom ideologischen Standpunkt her waren das GFFD und die UPJ durchaus vergleichbar. Der Slogan „Suisse, je t’aime“ (= Schweiz, ich liebe dich) als Gegenpart zum „Jura, je t’aime“ der Separatisten tauchte im Herbst 1975 auf und sollte den Geist der Offenheit und die Verbundenheit und Dankbarkeit gegenüber dem Land als zentrales Anliegen der Antiseparatistinnen zum Ausdruck bringen. Der Spruch wurde bald sehr beliebt und auf allen möglichen Artikeln abgedruckt (Ansteckknöpfe, Marken, Aufkleber, T-Shirts, etc.) – oft zusammen mit dem Logo des GFFD, bestehend aus Schweizerkreuz und Taube.
Eine weitere Aktionsform des GFFD in gleicher Absicht bestand in der Kampagne „Mieux se connaître“ (= Sich besser kennenlernen), die gegen Ende 1975 lanciert wurde. Das Ziel war, durch Schüleraustauschprogramme, Begegnungen und gegenseitige Einladungen zu Versammlungen und Märkten Verbindungen zwischen dem alten Kanton und dem Berner Jura herzustellen.

Präsidentinnen:
Geneviève Aubry'


Trudy Bauler'


Marguerite Logos

Emma Chatelain, 28/11/2006
Übersetzung: Kiki Lutz, 15/06/2010
Letzte Aktualisierung: 11/11/2013

Bibliografie


Geneviève Aubry, Le temps des imposteurs, Tavannes, 1977
Jura bernois 1952-1977, Tavannes, Ed. de Force Démocratique, 1977, S. 39
Emma Chatelain, « Nous sommes des hommes libres sur une terre libre ». Le mouvement antiséparatiste jurassien (1947-1975), son idéologie et ses relations avec Berne, Alphil, 2007


Bildnachweis

4. Kongress des GFFD: Dr. Bernard Muller, Berner Regierungspräsident und Geneviève Aubry, 1978. Sammlungen Mémoires d’Ici.