Bürgerin von La Chaux-des-Breuleux und von Tavannes. Geboren am 4. März 1928 in La Chaux-de-Fonds. Gestorben am 20. Juni 2026 in La Neuveville. Tochter von Virgile Moine. Konfession: röm.-kath. Heirat: 1949 mit Paul Aubry, dipl. Ing. ETH, 3 Kinder.
Gründerin und Präsidentin des Groupement féminin de Force démocratique GFFD (1974-1982).
Nach der Schulzeit in Pruntrut besuchte A. das Lehrerseminar und schloss dann ihre Ausbildung mit einem Diplom als Hauswirtschaftslehrerin 1949 in Basel ab. In den 1960er und 1970er Jahren absolvierte A. verschiedene Kurse und Praktika als Journalistin und schrieb oft in der Regionalzeitung Le Jura bernois sowie für den Journal du Jura1, für den sie von 1976 bis 1983 parlamentarische Redakteurin war. 1984 wurde sie Redakteurin des Trumpf-Buur (L'Atout), Zeitschrift der Aktion für freie Meinungsbildung (die Organisation wurde 1947 von Robert Eibel in Zürich gegründet, mit dem Ziel «dem angeblichen Einfluss der Linken auf die Medien entgegenzuwirken», «den Wohlfahrtsstaat zu demaskieren» und «gegen den Pazifismus und Defätismus anzukämpfen», Cantini, S. 66). Ab 1985 arbeitete A. zudem als Korrespondentin für verschiedene Zeitungen, darunter Femina, die Tribune de Genève und die Feuille d’avis de Neuchâtel (FAN).
A.s politisches Engagement begann bereits im Jahr 1971. 1977-1980 war sie freisinniges Mitglied des Berner Grossen Rates und 1979-1995 des Nationalrates, in dem sie als erste Bernerin, mit der besten Stimmzahl der gesamten Schweiz, gewählt wurde. Sie arbeitete in verschiedenen parlamentarischen Kommissionen mit (Militärkommission, Kommission für Forschung und Wissenschaft, Wirtschaftskommission, aussenpolitische Kommission, interparlamentarische Union). 1986 verlor sie in der zweiten Runde ihre Wahl in der berner Regierungsrat gegen den Grünen Benjamin Hofstetter.
Die aktive Antiseparatistin engagierte sich auch in anderen politischen Kämpfen und positionierte sich dabei im politischen Spektrum sehr weit rechts: 1988-1990 präsidierte sie die Antikommunistische Weltliga, danach den «European Freedom Council» (1990), ausserdem war sie Präsidentin der «Fédération romande des auditeurs et téléspectateurs», welche durch das von George Favre herausgegebene Bulletin d'information et d'opinion Druck auf die audiovisuellen Medien ausübte, sowie vom welschen Komitee von «Jugend ohne Drogen». A. war ausserdem Mitglied des Patronatskomitees der «Arbeitsgruppe südliches Afrika ASA»; die 1982 auf Initiative von Christoph Blocher gegründete Organisation versuchte, durch Einflussnahme auf Schweizer Medien das rassistische Apartheidregime in Südafrika zu unterstützen.
Einzelnachweise
- ↑ Der Journalist Pierre-Alain Brenzikofer berichtet, dass Geneviève Aubry manchmal das Pseudonym Geneviève Cohen verwendete, um bestimmte Artikel zu unterzeichnen, weshalb die extremistischen Separatisten ihr den Spitznamen „La Couenne“ gegeben hatten (s. Le Journal du Jura vom 4. März 2024).
Autor*in der ersten Version: Emma Chatelain, 09/10/2013
Letzte Änderung: 23/06/2026
Übersetzung: Kiki Lutz, 09/10/2013
Bibliografie
Lucienne Hubler, « Geneviève Aubry », in Dictionnaire Historique de la Suisse [Online-Version], Stand: 6.11.2001
Claude Cantini, Les ultras, 1992, S. 66-68, 71, 77, 95, 107
Emma Chatelain, « Nous sommes des hommes libres sur une terre libre ». Le mouvement antiséparatiste jurassien (1947-1975), son idéologie et ses relations avec Berne, Alphil, 2007, S. 183
Le Journal du Jura, 4. März 2023
ajour.ch (3.3.2023)
www.lejdj.ch (20.6.2026 ; 22.6.2026)
www.lqj.ch (21.6.2026)
www.chronologie-jurassienne.ch : Cohen Geneviève, Aubry Geneviève, Aubry Geneviève (Biogr.) (23.6.2026)
Bildnachweis
Links Metagrid.ch
Zitiervorschlag
Emma Chatelain, «Aubry, Geneviève (1928-2026)», Lexikon des Jura / Dictionnaire du Jura (DIJU), übersetzt aus dem Französischen von Kiki Lutz, https://diju.ch/d/notices/detail/4674-aubry-genevieve-1928, Stand: 24/06/2026.


