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Kino (Berner Jura)

Die ersten Lichtspiel-Projektionen im Berner Jura fanden im August 1896 in Saint-Imier statt (in der Schweiz waren die ersten Vorführungen schon im Mai 1896 im Rahmen der Landesausstellung in Genf zu sehen). In den ersten Jahrzehnten behielten die Vorführungen ihre Eigenschaft als sporadische Wanderereignisse bei. Operateure, Gastwirte und Privatleute betreiben sie an wechselnden öffentlichen Orten. In der Schweiz wurden die ersten Lichtspieltheater 1907/1908 eröffnet, doch erst in den Jahren 1910-1911 wurden sie zahlreich. Im Berner Jura dienten Restaurants und später Theater als erste ständige Vorführsäle, zuerst der Saal des Restaurants Le Casino in Saint-Imier.
Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich das Kino zum Massenspektakel auf gleicher Ebene wie Konzerte oder das Theater. Der Zweite Weltkrieg löste einen Zuwachs an Zuschauern in den Kinosälen aus, wo damals Bilder der Tagesnachrichten vor den meist französischen und amerikanischen Unterhaltungsfilmen gezeigt wurden. Ab dem 1. August 1940 wurde jeder Kinosaal verpflichtet, die Schweizer Filmwochenschau mit ausschliesslich Schweizer Nachrichten zu zeigen. Dies wurde von der Eidgenossenschaft teilweise finanziert mit dem Ziel, ein Gegengewicht zu den Nachrichten aus dem Ausland anzubieten.

Gegen Ende der 1950er Jahre traten die Ciné-Clubs in Erscheinung. In der Schweiz gab es bis zu siebzig davon. Diese Clubs bedienten die Nachfrage eines anspruchsvolleren Publikums, dem sie auf der Basis von Saisonkarten Filme aus der modernsten zeitgenössischen Produktion oder mit der Qualität alter Klassiker anboten. Im Berner Jura wurde im Oktober 1962 der Ciné-Club de la Vallée de Tavannes CCVT gegründet. Die Vorführungen fanden im Kino Palace in Bévilard statt. Dessen Eigentümerin, Madame Haueter, war Vorstandsmitglied und vermietete den Saal an den Ciné-Club, der die Abonnementspreise einkassierte und das Programm zusammenstellte.
Das Betreiben von Kinosälen blieb in dieser Region in erster Linie Familienangelegenheit. Die Kinos wurden von Vätern an ihre Söhne oder Töchter vererbt, wie sonst irgendein Geschäft. Die Besitzer lebten aber nicht allein von ihren eigenen Kinos. In Tramelan betrieben die Kinder und später die Enkel von Georges Bersot das Cosmos bis ins Jahr 1988. Die Familie Piaget betrieb die Kinos Rex in Moutier (1946-1990), Royal in Tavannes (1969-1984) und Lux in Saint-Imier (1956-1980).
Wegen mangelnder Rentabilität und der Konkurrenz der Multiplexkinos in den nahen Städten begannen viele jurassische Kinos gegen Ende der 1970er Jahre ihre Türen zu schliessen. Starke Reaktionen in der Bevölkerung führten jedoch dazu, dass einige als Vereine oder Genossenschaften wiedereröffnet werden konnten:

1984 Genossenschaft Espace Noir, Saint-Imier
1989 Genossenschaft Cinématographe, Tramelan
1989 Groupe cinéma Tavannes
1990 Kinogenossenschaft Moutier
1995 Verein Action-Culture, Bévilard
1998 Kinoverein von La Neuveville
1999 Genossenschaft Cinématographe-Royal

Emma Chatelain, 18/05/2010
Übersetzung: Kiki Lutz, 7/06/2012
Letzte Aktualisierung: 25/11/2015

Archivbestände

Mémoires d’Ici (Saint-Imier), Webdossier «Demandez le programme!»

Bibliografie

« Cinéma », Revue Intervalles, Nr. 55, 1999