Stürmenkopf (Wahlen), römische Befestigung

Befund: Befestigungsanlage
Datierung: 2. Hälfte 3. Jh. n. Chr. (römisch)
Grabungen: 1861 (Sondierung) Auguste Quiquerez; 1919 (Sondierung), 1929 und 1931 Alban Gerster
Fundsammlung: Museum Laufental, Baureste in situ

Der «Stürmenkopf» bei Wahlen ist ein markanter Berg (769 m ü. M.), der das Laufental überragt. Das Gipfelplateau mit bester Rundsicht über das Tal ist auf zwei Seiten (Osten und Süden) auf natürliche Weise durch senkrechte Felswände geschützt. Zur späten Römerzeit befand sich hier eine Befestigungsanlage mit vermutlich zwei Türmen und einer Schutz- oder Wehrmauer auf der Nord- und Westseite.
Der Fundort wurde nach Angaben von Auguste Quiquerez bereits 1839 von ihm selbst entdeckt. Erstmals erwähnt wurde er 1840 von Abbé Sérasset in L' Abeille du Jura. Der Autor vermutete, dass hier oben ein römischer Signalposten mit Wachturm gestanden habe. 1861 kamen bei Sondierungen von Auguste Quiquerez Fundamentreste, Eisenschlacken, Knochen mit Brandspuren und eine Sigillata-Scherbe zum Vorschein. 1919 führte Alban Gerster eine private Sondierung durch und konnte eindeutig römische Mauerreste nachweisen. 1929 und 1931 folgten ausführlichere Grabungen, ebenfalls von Alban Gerster.
Der Befund lässt auf eine ca. 80 x 100m lange Schutzmauer auf den beiden ungeschützten Seiten um das Plateau schliessen. Die Fundamente waren 1-1.4m dick und die Mauern vermutlich ca. 5-7m hoch (Rekonstruktion von Alban Gerster). Innerhalb der Mauerzone stand ein Turm auf einer Fläche von ca. 8.1 x 6.25m mit bis zu 2.35m dicken Fundamenten (Südwestseite). Rund 40m weiter südöstlich auf dem höchsten Punkt des Plateaus hatte Auguste Quiquerez ebenfalls Fundamentreste festgestellt und einen Turm vermutet, doch bei den späteren Grabungen konnte dort kein Gebäude mehr nachgewiesen werden. Die Steine für die Bauwerke wurden direkt vor Ort an der Nordwestflanke des Berges gebrochen.
Ausser den Resten von Mauerwerk kamen weitere Funde zum Vorschein: der Boden einer Terra sigillata-Schale, Ziegelfragmente, weitere Keramikfragmente, Reste einer Reibschale und eine Bronzemünze (Kaiser Aurelianus, 270-275 v. Chr.). Die Anlage wurde wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 3. Jh. n. Chr. erbaut und war jedenfalls dann in Betrieb. Sie diente vermutlich – wie eine ebenfalls römische Anlage auf dem nahen Bännlifelsen – als Refugium für die Bewohner/innen der zahlreichen Gutshöfe im Laufental, die sich während der Alamanneneinfälle ab dem 3. Jh. zum Schutz in solche Fluchtburgen zurückzogen.

Kiki Lutz, 6/06/2012
Letzte Aktualisierung: 20/02/2013

Bibliografie

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