Baselbieter Komitee «Laufental blyb bi Bärn»

Das politisch und konfessionell neutrale Komitee mit Sitz in Waldenburg / BL entstand im Vorfeld der kantonalen Abstimmung vom 11. September 1983, mit der die Baselbieter Stimmbürger/innen über eine Aufnahme des bernischen Amtsbezirks Laufen in ihren Kanton entschieden. Das Komitee setzte sich gegen diese Aufnahme ein, da es Grenzverschiebungen für nicht zeitgemäss hielt und befürchtete, der Kantonswechsel des Laufentals könne weiteren solchen Begehren Auftrieb verleihen. Ein weiteres Argument war die Befürchtung, dass die Aufnahme hohe Kosten verursachen würde und dass der Status der einzigen deutschsprachigen Gemeinde des Kantons Jura, Ederswiler, Konflikte mit den jurassischen Separatisten auslösen könnte. Auch eine mögliche erneute Entfachung der Diskussionen um die Kantonsgrenzen zwischen Basel-Landschaft und Basel-Stadt wurde befürchtet. Ausserdem vertrat das Komitee die Meinung, dass Baselbiet und Laufental nicht zusammen passen würden und eine «neue Heimat» nicht durch einen politischen Akt geschaffen werden könne (Flugblatt vom August 1983).

Im August 1983 setzte sich das Komitee wie folgt zusammen:
Dr. med. Roland Straumann, alt Landratspräsident FDP (Waldenburg) – Präsident; Dr. med. Paul Bots (Pratteln); Christoph Brodbeck, alt Oberförster (Biel-Benken); Theodor Christen, Landrat (Niederdorf); Erwin Dettwiler, alt Landratspräsident (Reigoldswil); Dr. med. Paul Gysin (Gelterkinden); A.R.D. Hartmann, Grafiker (Arlesheim); Dr. med. dent. Paul Hartmann (Liestal); Dr. jur. Stefan Herbster, Advokat (Oberwil); Dr. Carl E. Hirt, alt Statthalter (Niederdorf); Rudolf Huber, Unternehmer (Bubendorf); Rudolf Keller, Kaufmann (Frenkendorf); Dr. med. Peter Meyer (Liestal); Max Michel, Lehrer (Füllinsdorf); Dr. med. Hans Minder (Oberdorf); Dr. phil. Willy Mohler, Geologe, alt Landrat (Gelterkinden); Rainer Richterich, Schriftsetzer (Pratteln); Paul Rieder, dipl. Forstingenieur (Sissach); Marcus Ruf, Pfarrer (Arlesheim); lic. jur. Eugen Schweizer, Verwaltungsrichter (Muttenz).

Das Komitee nahm mit verschiedenen Aktionen, u.a. mit Flugblättern, am Abstimmungskampf teil. Seine Wirkung blieb jedoch eher gering: Mit 36:800:13840 Jastimmen (oder 72.7%) sandte das Baselbieter Stimmvolk ein deutliches Willkommenszeichen in Richtung Laufental. Dort hatten die Gegner des Kantonswechsels am selben Tag mehr Erfolg: Die Laufentaler/innen lehnten den Beitrittsvertrag mit dem Kanton Basel-Landschaft mit 56.7% Neinstimmen ab.

Nachdem die Abstimmung im Laufental am 12. November 1989 wiederholt werden musste und sich die dortigen Stimmbürger/innen doch noch für einen Wechsel zu Basel-Landschaft entschieden hatten, wurde die Frage auch in Baselland wieder aktuell. Für den Abstimmungskampf vor dem 22. September 1991 gründeten ehemalige Mitglieder ein neues Komitee mit Namen «Baselland ohne Laufental».

Kiki Lutz, 7/03/2011
Letzte Aktualisierung: 21/07/2014

Archivbestände

Saatsarchiv Basel-Landschaft, PA 6120 Baselbieter Laufentalkomitee, PA 6198 Laufentaler Bewegung

Bibliografie

Christian Jecker, «Vom Musterfall zum Skandal. Die Geschichte des Selbstbestimmungsverfahrens des Bezirks Laufen 1970 bis 1988», in Andreas Cueni (Hg.), Lehrblätz Laufental, Zürich 1993, S. 31-45
Jura Libre, 28. April 1983, «Laufonnais reste avec Berne»