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Regierungsstatthalter (Kanton Bern)

Im Kanton Bern repräsentieren die Regierungsstatthalter die kantonale Verwaltung in den Amtsbezirken. Sie stehen unter der Aufsicht des Berner Regierungsrats.
Das Amt der R. wurde im Zuge der liberalen Revolution von 1831 eingerichtet und ersetzte dasjenige der Oberamtmänner. In den Bezirken des Gebiets des heutigen Kantons Jura gab es bis 1979 Berner R. Im Laufental, das bis 1846 zum Amtsbezirk Delsberg gehörte, gab es zwischen 1846 und 1993 (Kantonswechsel) ein Berner Statthalteramt. Im Kanton Bern mit seinen über 26 Bezirken blieben die R. darüber hinaus bestehen - und somit auch im Berner Jura. Der Sitz des Berner Regierungsstatthalters befand sich im jeweiligen Hauptort des Amtsbezirks, d.h. in Courtelary, La Neuveville, Moutier und Laufen (bis 1993).

Die R. wurden zunächst von der Kantonsregierung ernannt und stammten meistens aus dem lokalen Bürgertum und aus dem Freisinn. Nach der Einführung der Neuen Berner Kantonsverfassung von 1893 wurden die R. durch Volkswahl bestimmt. Dieser Wechsel war insofern bedeutend, als er den Zugang zum Statthalteramt nun auch für andere Parteien öffnete. Bald schon gab es in der Ajoie, in den Freibergen und im Laufental konservative R. Das traditionelle Band zwischen dem Freisinn und den R. wurde immer schwächer. Im Jahr 1893 vollzog sich noch ein weiterer wichtiger Wechsel: Bis dahin verstanden sich die R. als direkte Vertreter der Staatsmacht und dienten dem Zentralismus; nach 1893 repräsentierten sie das Volk und vertraten die Interessen der Bevölkerung oder der Gemeinden. Das Gesetz von 1939 erweiterte den Kompetenzbereich der R. noch zusätzlich und verstärkte die Dezentralisierung der Verwaltungsaufgaben.

Das Gesetz vom 16. März 1995 über die Regierungsstatthalterinnen und Regierungsstatthalter des Kantons Bern löste dasjenige vom 3. September 1939 ab. Gemäss dieser Neuerung hatten die Statthalterinnen und Statthalter fortan folgende Befugnisse und Funktionen:
- Zulassungen und Bewilligungen
- Verwaltungsgericht
- Aufsichtsbehörde (über die Vormundschaftsbehörden, die Polizei, die Feuerwehren etc. der Einwohner-, Bürger- und Kirchgemeinden sowie der Gemeindeverbände)
- Strafvollzug
- Krisenmanagement
- Fürsorge
- Ombudsstelle

Am 24. September 2006 stimmte das Berner Stimmvolk einer kantonalen Verwaltungsreform zu, die im Januar 2010 in Kraft treten sollte. Es wurden insgesamt fünf Verwaltungsregionen geschaffen, eine davon umfasst den Berner Jura. Die 26 Amtsbezirke wurden in zehn Verwaltungskreise eingeteilt. Die Amtsbezirke Courtelary, La Neuveville und Moutier bilden einen eigenen Verwaltungskreis mit einem einzigen Statthalteramt. Am 17. Mai 2009 wurde Jean-Philippe Marti als erster Statthalter des neuen Verwaltungskreises gewählt. Das frühere Statthalteramt Biel wurde mit denjenigen von Büren und Nidau zum neuen Verwaltungskreis Biel/Bienne zusammengefasst. Erster gewählter Statthalter dieses neuen Verwaltungskreises wurde Werner Könitzer; der bisherige Bieler Statthalter, Philippe Garbani, wurde Stv. Regierungsstatthalter.

Emma Chatelain, 20/06/2007
Übersetzung: Kiki Lutz, 21/06/2014
Letzte Aktualisierung: 6/07/2017

Bibliografie

Staatskalender des Kantons Bern, 1831-2016
Jean-Pierre Bélet, Mémoires pour servir à l’histoire du Pays de Porrentruy, Bd. 2, Pruntrut, 1973, S. 518 'Christophe Koller, L’industrialisation et l’état au pays de l’horlogerie, Courrendlin, 2003, S. 244-251
www.be.ch/web/fr/index/behoerden/behoerden-gemeinden.htm (26.11.2007)
www.sta.be.ch/sta/fr/index/wahlen-abstimmungen/wahlen-abstimmungen/wahlen/wahlen_2017/vk-jura-bernois.html (Stand: 06.07.2017)
Gesetz vom 16. März 1995 (in Kraft 1. Januar 1997) über die Regierungsstatthalterinnen und Regierungsstatthalter, BSG (152.321)
Daniel Flückiger, Benjamin Steffen und Christian Pfister, « Repräsentanten der Obrigkeit - volksnahe Vermittler - 200 Jahre Regierungsstatthalter im Kanton Bern », Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde, 2006/1, S. 1-62 ; 2006/2, S. 114 '
Des baillis aux préfets: l'exemple de Courtelary,
Les dossiers de Mémoires d’Ici, Oktober 2006 (www.m-ici.ch)
Dossier der Berner Statthalterinnen und Statthalter, 8 S. (17.7.2007)

Link: http://www.jgk.be.ch/jgk/fr/index/direktion/organisation/rsta.html