Baselbieter Laufentalkomitee

Das Baselbieter Laufentalkomitee wurde am 29. Juni 1978 als überparteiliche Organisation in Muttenz gegründet. Die Gründung fiel in einen wichtigen Zeitabschnitt des langjährigen Prozesses um den Kantonswechsel des bernischen Amtsbezirks Laufen: Sie erfolgte nachdem am 18. Juni 1978 die Laufentaler Bevölkerung der Einleitung eines Anschlussverfahrens zu einem Nachbarkanton mit über 65% Jastimmen zugestimmt hatte.

Das Komitee hatte zum Ziel, «die weiteren Verhandlungen von Regierungsrat und Landrat zu unterstützen und über die Behörden hinaus zu bekunden, dass die Laufentaler uns Baselbietern willkommen sind, falls sie sich für einen Anschluss an unseren Kanton entschliessen» (Pressemitteilung vom 30. Juni 1978).
In der Tat arbeitete das Komitee eng mit der Politik zusammen, wie schon die Mitgliederliste des an der Gründungsversammlung gewählten Komitee-Ausschusses zeigt:
Nationalrat Dr. Hans-Rudolf Feigenwinter (CVP), Präsident
Nationalrat Dr. Felix Auer (FDP), Kopräsident
Nationalrat Hans-Rudolf Nebiker (SVP), Kopräsident
Nationalrat Prof. Dr. Heinrich Ott (SP), Kopräsident
Landrat Hans Brodbeck (FDP), Sekretär
Heinrich Schäublin, Kassier
Rudolf Schwarz, EVP
Dr. Jaques Dreyer, LdU
Landrat Fritz Epple (SP)
Vreny Thommen, Vertreterin Frauenzentrale
Béatrice Grieder, Vertreterin Frauenzentrale
Landrat Ernst Kober (FDP)
Regierungsrat Paul Manz (SVP)
Landrat Paul Messmer (CVP)

Ab August 1978 waren im Ausschuss ausserdem vertreten:
Urs Burkhart
Gemeindeverwalter Hans Jurt (CVP)
Mathis Lüdin, Pressechef

Im September 1978 gründete der Landrat des Kantons Basel-Landschaft zudem eine 13-köpfige Spezialkommission für die begleitende Beratung während der Laufentalfrage.

Die Tätigkeiten des Komitees bestanden hauptsächlich in der Propagierung eines Beitritts des Laufentals zum Kanton Basel-Landschaft durch Versammlungen zur gegenseitigen Vorstellung im Baselbiet sowie im Laufental, Erstellung und Vertrieb von dokumentarischen Unterlagen und Pressearbeit. Konkret wurde dies durch die sog. «Instruktionstournee» (1978-1979) zur Präsentation des Baselbiets im Laufental, durch Imagekampagnen, Inserateaktionen, Tonbildschauen, Briefkampagnen etc. umgesetzt, später gehörten auch Carfahrten durchs Laufental, Laufentaler Märkte in Baselbieter Dörfern, Kundgebungen oder Ballonaktionen zu den Aktionsformen. 1980 entschieden sich die Laufentaler/innen schliesslich für den Kanton Basel-Landschaft als einzigen möglichen Beitrittskanton (Basel-Stadt und Solothurn schieden aus). Doch musste diese Wahl noch in einer weiteren Abstimmung der Möglichkeit eines Verbleibs beim Kanton Bern gegenübergestellt werden.
 
Am 11. September 1983 lehnten die Laufentaler Stimmbürger/innen den Anschlussvertrag an der Urne ab, während sich die Baselbieter und Baselbieterinnen am gleichen Tag für eine Aufnahme des Laufentals in ihren Kanton aussprachen. Das Komitee stellte daraufhin seine Aktivitäten ein. Es löste sich aber nicht auf und blieb auf dem Papier weiter bestehen.
Nach dem Bundesgerichtsurteil vom 22. Dezember 1988, das wegen unrechtmässiger Zahlungen des Kantons Bern an das berntreue Lager im Laufental die Wiederholung der Abstimmung verfügte, wurde das Komitee erneut aktiv. Wiederum leitete H.R. Feigenwinter als Präsident den Ausschuss. Während des Abstimmungskampfes im Vorlauf des wiederholten Laufentaler Urnengangs vom 12. November 1989 hielt sich das Baselbieter Komitee jedoch zurück und gab eine Neutralitätserklärung ab. Erst nach dem Sieg der Probaselbieter und als die Abstimmung vom 22. September 1991 über die Anpassung des Laufentalvertrags im Baselbiet bevorstand, trat es mit einer Kampagne wieder stärker in Aktion und an die Öffentlichkeit. Das Komitee arbeitete zu diesem Zweck eng mit der Koordinationsorganisation Laufental 91 (LT 91), v.a. mit Exponenten/-innen aus deren Mitgliedskomitee «Jo zum Baselbiet» zusammen.
1991 setzte sich der Ausschuss des Baselbieter Laufentalkomitees wie folgt zusammen:
Dr. Felix Auer, Nationalrat
Willi Bernegger, Landratspräsident 1990/91
Hans Brodbeck, alt Stadtpräsident von Liestal
Fritz Epple, Landratspräsident 1979/80
Angeline Fankhauser, Nationalrätin
Dr. Hans-Rudolf Feigenwinter, Nationalrat
Susanne Leutenegger Oberholzer, Nationalrätin
Theodor Meyer, Nationalrat
Hans-Rudolf Nebiker, Nationalrat
Prof. Dr. René Rhinow, Ständerat

Seitens von LT 91 war der Koordinationsausschuss für die Zusammenarbeit wie folgt besetzt:
Heinz Aebi, Präsident LT 91
Ruedi Imhof
Robert Koller, Präsident des Komitees «Jo zum Baselbiet»
Willy Kottmann, Finanzen LT 91
Marcel Metzger
Barbara Umiker

Mit der Realisierung der Kampagne wurden die Agenturen Tschopp & Partner und Tscharner beauftragt. Die PR-Agentur Umiker übernahm die Koordination, Pressearbeit, Briefkampagnen und Aktennotizen.

Nachdem die Baselbieter Bevölkerung dem Laufentalvertrag zugestimmt hatte, musste die Aufnahme des Bezirks Laufen 1993 noch auf eidgenössischer Ebene durch eine Volksabstimmung bewilligt werden. Für diese Kampagne wurden zwei neue Komitees gegründet, das «Schweizerische Komitee Ja zum Laufental» und ein neues Baselbieter Komitee namens «Ja zum Laufental».  

Kiki Lutz, 2/03/2011
Letzte Aktualisierung: 28/04/2015

Archivbestände

Saatsarchiv Basel-Landschaft, PA 6120 Baselbieter Laufentalkomitee, PA 6249 Laufentaler Komitee "Jo zum Baselbiet"

Bibliografie

Heinz Buser et al., Beschlüsse, Bilanzen, Bilder. Dokumente zum Kantonswechsel des Laufentals 1970-2003, Liestal 2004


 


Felix Auer, «Ihr Laufentaler müsst selbst entscheiden! Das Laufental aus der Sicht der Baselbieter Politik», in Andreas Cueni (Hg.), Lehrblätz Laufental, Zürich 1993, S. 125-145