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Berntreue (Laufental)

«Berntreue», bzw. «Proberner» sind geläufige Sammelbezeichnungen für die antiseparatistischen Laufentaler Organisationen, Gruppierungen und Personen, die sich schon während der Ablösungs- und Entstehungszeit des Kantons Jura und vor allem während des späteren langjährigen Prozesses um den Kantonswechsel des Amtsbezirks Laufen für einen Verbleib der Talschaft beim Kanton Bern einsetzten. Sie waren die Gegner der Laufentaler Separatisten, die aufgrund des im Berner Verfassungszusatz vom 1. März 1970 verankerten Selbstbestimmungsrechts einen Beitritt zu einem benachbarten Kanton anstrebten. Die B. gründeten zahlreiche – meist überparteiliche und konfessionell unabhängige – Organisationen, verfassten Argumentarien und beteiligten sich an den heftigen Abstimmungskämpfen im Vorfeld des Kantonswechsels. Die B. liessen sich keiner politischen Partei eindeutig zuordnen. Obwohl sie besonders viele Anhänger/innen in der FDP fanden, gab es immer auch prominente Ausnahmen von Parteimitgliedern auf Probaselbieter Seite. In der Laufentaler Bezirkskommission, bzw. dem Bezirksrat blieben die B. trotz gelegentlicher Sitzgewinne während der ganzen Dauer des Kantonswechsels in der Minderzahl.
Nachdem die separatistische Seite mit der Volksinitiative vom 18. Juni 1978 zur Einleitung eines Anschlussverfahrens an einen benachbarten Kanton den Kantonswechsel vorangetrieben hatte und der Kanton Basel-Landschaft nach der Abstimmung vom 16. März 1980 als einzig möglicher Beitrittskanton feststand, konnten die B. am 11. September 1983 einen Abstimmungserfolg verbuchen: Das Laufentaler Stimmvolk entschied sich mit 56,7 % Neinstimmen gegen einen Wechsel zum Kanton Basel-Landschaft.
In den Folgejahren kamen im Zusammenhang mit der Berner Finanzaffäre illegale Spenden des Berner Regierungsrats an die grösste Organisation der B. (Aktion Bernisches Laufental ABL) ans Licht. Das Bundesgericht verfügte daraufhin eine Wiederholung der Abstimmung vom 11. September 1983.
In der Wiederholungsabstimmung vom 12. November 1989 unterlagen die B. knapp mit einem Neinstimmenanteil von 48,3%.


Verschiedene berntreue Organisationen bestanden trotz dieser Niederlage weiter oder wurden sogar neu gegründet (z.B. die Vereinigung Berntreuer Laufentaler VBL oder die Jugendorganisation der Laufentaler «Wildschweine»). Sie blieben aktiv und führten Beschwerden gegen das knappe Abstimmungsresultat und liessen mit verschiedenen Aktionen auch in den darauf folgenden Abstimmungskämpfen im Kanton Basel-Landschaft und auf eidgenössischer Ebene von sich hören. Letztlich war dem Anliegen der Laufentaler B. kein Erfolg beschieden: Das Laufental trat am 1. Januar 1994 dem Kanton Basel-Landschaft bei.

Für eine Auswahl-Liste mit berntreuen Gruppierungen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit), s. S. 2

Kiki Lutz, 11/02/2011
Letzte Aktualisierung: 3/12/2015

Bibliografie

Andreas Cueni (Hg.), Lehrblätz Laufental, Zürich 1993
Heinz Buser et al., Beschlüsse, Bilanzen, Bilder. Dokumente zum Kantonswechsel des Laufentals 1970-2003, Liestal 2004
Anna C. Fridrich, «Laufen (BL, Bezirk)», in Historisches Lexikon der Schweiz [Online-Version], Stand vom 23.08.2010
Claudio Hänggi, Die Laufentalfrage 1983-1993: die Verwendung scheinrational-emotionaler Propaganda zur Identitätsfindung eines regionalen Kollektivs, Historisches Seminar Universität Basel, Lizentiatsarbeit, 1997
Beat Junker, Der Kantonswechsel des Laufentals, in Historischer Verein des Kantons Bern (Hg.), Geschichte des Kantons Bern seit 1798. Bd. III Tradition und Aufbruch 1881-1995, 2008. [Online-Version: http://www.hvbe.ch/geschichte.html], Stand vom 23.08.2010'