Laufentaler Bewegung LB

Laufentaler Bewegung LB

Politisch und konfessionell unabhängiger Verein mit Sitz in Laufen, Dachverband verschiedener Ortssektionen, Einzelmitglieder und Untergruppierungen der Probaselbieter Seite im langjährigen Prozess um den Kantonswechsel des Laufentals. Die Gründungsversammlung fand am 11. Mai 1984 unter Teilnahme von ca. 300 Personen in der Festhalle Schützenweg in Laufen statt, nachdem sich die Vorgängerorganisation Komitee «Ja zur besten Lösung» nach ihrer Niederlage bei der Volksabstimmung vom 11. September 1983 aufgelöst hatte. Die Nenzlinger Sektion der LB bestand schon seit März 1984.
Der Vereinszweck bestand in der "Koordination und Zusammenarbeit seiner Sektionen in der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Einflussnahme auf der Ebene der Laufentaler Gemeinden, des Bezirks, der Region und des Kantons"; das Ziel bestand darin, "die Laufentaler Gemeinden vollständig in der Region Basel zu verankern" (Statuten vom 11. Mai 1987). In den Statuten verankert wurde ausserdem die Durchführung eines jährlichen Laufentaler Tages zum Gedenken an die Abstimmung vom 11. September 1983.
Organe des Vereins waren:
- Die Vollversammlung
- Die Delegiertenversammlung
- Der Bezirksvorstand
- Die Rechnungsrevisoren
Bis 1987 wurden mehrere Sektionen gegründet, darunter Dittingen (29. Juni 1984), Laufen (18. September 1984), Grellingen (15. Oktober 1984), Duggingen (18. August 1985), Röschenz (22. Januar 1986), Junge Kraft Laufental (29. August 1984), Wahlen (31. Oktober 1986), Blauen (12. Juni 1987).
In der Delegiertenversammlung traten die Vertreter/innen der Ortssektionen (2 pro Gemeinde) und der übrigen Gruppierungen (je 1) zusammen. Der Bezirksvorstand umfasste 7 (ab 1987: 9) Mitglieder, darunter der Vorsitzende und sein Stellvertreter. Zum Präsidenten der LB wurde noch an der Gründungsversammlung Heinz Aebi gewählt, der bis 1994 in dieser Position aktiv blieb.
Ab 1985 führte die LB ein eigenes Wappen mit einem weissen Stab auf schwarzem Grund (Stadt und Bezirk Laufen), einem roten Stab auf weissem Grund (ehem. Fürstbistum Basel) und sieben Sternen (Symbol für die sieben jurassischen Amtsbezirke des Kantons Bern). Das Abzeichen wurde in Anlehnung an die Darstellung der beiden Stab-Wappen am Baslertor der Stadt Laufen kreiert.

Nach ihrer Gründung versuchte die LB trotz der aus Probaselbieter Sicht verlorenen Volksabstimmung vom 11. September 1983 ihr Anliegen der politischen Integration des Laufentals in der Nordwestschweiz auf langfristiger Basis weiter voranzutreiben. Richtig Aufschwung erhielten ihre Aktivitäten im Sommer 1985 nach Bekanntwerden der heimlichen Finanzierung des gegnerischen Abstimmungskomitees Aktion Bernisches Laufental ABL durch die Berner Regierung, im Rahmen der sogenannten Berner Finanzaffäre. Die LB sah darin die Chance für einen Umschwung in der Laufentalpolitik. Fünf LB-Mitglieder reichten innert drei Tagen, am 3. September 1985, eine Abstimmungsbeschwerde beim Grossen Rat in Bern ein. Sie forderten die Wiederholung der Abstimmung. Der Grosse Rat trat auf die Beschwerde nicht ein und führte dafür terminliche Gründe an. Die LB focht dies jedoch mit einer staatsrechtlichen Beschwerde beim Bundesgericht an. Am 18. März 1987 hiess das Bundesgericht die Beschwerde gut und verpflichtete den Grossen Rat, auf die Abstimmungsbeschwerde einzutreten. Dies tat der Grosse Rat und lehnte die Abstimmungsbeschwerde am 3. November 1987 ab.
Die LB gelangte daraufhin erneut ans Bundesgericht und machte geltend, der Kanton Bern habe widerrechtlich Einfluss auf die Meinungsbildung im Laufental genommen. Mit sechs zu einer Stimme hiess das Bundesgericht die Beschwerde am 20. Dezember 1988 gut.
Nun war der Weg frei für die Wiederholung der Abstimmung am 12. November 1989. Die Aktivitäten der LB bestanden fortan - nebst der Herausgabe von Wahlempfehlungen für verschiedene lokale, kantonale und nationale Gremien - vor allem in der Führung der Abstimmungskampagne. Dabei entfachte die LB über ihr Organ dr Laufetaler, über Inseratekampagnen und Argumente-Broschüren (z.B. «Fair und klug statt Lug und Trug») eine beachtliche Propagandawirkung. Dazu trugen auch weitere Aktionen wie die Einrichtung von Steuersperrkonten, Protestkundgebungen, Resolutionen und Jugendfeste bei.
Gleichzeitig pflegte das «Mouvement Laufonnais» Beziehungen zu separatistischen jurassischen Vereinigungen (v.a. Unité Jurassienne und Rassemblement Jurassien), z.B. durch die Organisation von Fahnenzügen an der Fête de l'Unité Jurassienne und der Fête du peuple und durch gegenseitige Einladungen zu Reden und Festanlässen im Jura und im Laufental.
In all ihren Aktionen gab sich die LB kämpferisch und aktivistisch und gebärdete sich heftiger als das Vorgängerkomitee «Ja zur besten Lösung»; sie entwickelte sich mehr in Richtung einer Volksbewegung und schreckte auch von harschen Tönen im Abstimmungskampf nicht zurück. Von dieser Haltung grenzte sich das 1989 gegründete Probaselbieter Komitee «Jo zum Baselbiet» weitgehend ab.
Nach der für die Probaselbieter Seite erfolgreichen Abstimmung vom 12. November 1989 schloss sich die LB dem Koordinationsausschuss Laufental 91 an, zusammen mit dem Komitee Jo zum Baselbiet und Junge Kraft Laufental JKL - wobei jede der Organisationen ihre Eigenständigkeit behielt.
An ihrer zehnten und letzten Vollversammlung vom 18. März 1994 wurde die LB aufgelöst, nachdem der Bezirk Laufen am 1. Januar 1994 zum Kanton Basel-Landschaft übergetreten war.

Kiki Lutz, 15/11/2010
Letzte Aktualisierung: 3/12/2015

Archivbestände

Staatsarchiv BL, PA 6198 Laufentaler Bewegung LB

Bibliografie

Heinz Aebi, «Bei den öffentlichen Auftritten konnte ich mir Luft verschaffen», in Heinz Buser et al., Beschlüsse, Bilanzen, Bilder. Dokumente zum Kantonswechsel des Laufentals 1970-2003, Liestal 2004, S. 211-214
Basler Zeitung, 20. September 2003, S. 38b.
Basler Zeitung, 23. September 2003, S. 35b
Christian Jecker, «Vom Musterfall zum Skandal. Die Geschichte des Selbstbestimmungsverfahrens des Bezirks Laufen 1970 bis 1988», in Andreas Cueni (Hg.), Lehrblätz Laufental, Zürich 1993, S. 31-45

Bildnachweis

Wappen der Laufentaler Bewegung, Staatsarchiv BL, PA 6198