Junge Kraft Laufental JKL

Die Junge Kraft Laufental JKL war eine Jugendorganisation, die nach der (vorläufigen) Abstimmungsniederlage der Laufentaler Separatisten vom 11. September 1983 entstand. In der zweiten Phase des mehrjährigen Prozesses um den Kantonswechsel des Laufentals engagierte sich die JKL auf Probaselbieter Seite.
Bereits am Abstimmungssonntag diskutierten einige junge Probaselbieter, wie sich die Laufentalfrage trotz Niederlage an der Urne weiterhin in der Öffentlichkeit thematisieren liesse. Die offizielle Gründungsversammlung der JKL fand dann am 29. August 1984 im Restaurant «Lämmli» in Laufen statt. Dabei spielten die jurassischen Béliers als Vorbild eine Rolle. Das kurzfristige Ziel bestand darin "... die Laufentaler zu einen, damit wir gegen die riesige Uebermacht ankommen können". Das langfristige Ziel wurde mit "Integration in die Region, das heisst: Weg von Bern" umschrieben (Jahresbericht JKL 1984, zitiert nach Gisin, S. 34).
Sitz der Organisation war Grellingen, präsidiert wurde sie von Alex Imhof, dem Sohn des Bezirksratspräsidenten Rudolf Imhof, und ab 1990 von Remo Oser. Gegen Ende 1984 zählte die JKL bereits 64 Aktivmitglieder.
An der ersten Vollversammlung der Laufentaler Bewegung LB vom 23. März 1985 wurde die JKL als eigene Sektion in die LB eingegliedert, sie blieb aber in ihren Aktionen weiterhin recht unabhängig und wurde vom Vorstand der LB nicht direkt gesteuert.
 
Die JKL plante zunächst eine Aktion in der Schule, bei der sie unter Schülern und Schülerinnen Mitgliederwerbung machte und den Schulunterricht bezüglich fehlender Regionalbezüge in den Fächern Geografie und Geschichte kritisierte. Ebenso wurde Kritik an den Berner Lehrern geübt.
Später führte die JKL originelle Aktionen durch, z.B. mit Flugblattverteilungen an der St. Galler Olma, als der Kanton Bern 1984 dort Gastkanton war – oder mit Adaptionen von Asterix-Comics, welche mit Analogien Berner-Römer / Laufentaler-Gallier arbeiteten. Als im Zuge des Berner Finanzskandals Ende August 1985 bekannt wurde, dass die Berner Regierung die Proberner Organisation Aktion Bernisches Laufental ABL massiv finanziell unterstützt hatte, reagierte die JKL u. a. mit einer spontanen Demonstration in Laufen und forderte als erste Organisation offen den Rücktritt von Regierungsrat Martignoni. Die symbolische Beerdigung der Demokratie in einem Sarg vor der Berner Kantonalbank und die Schaltung entsprechender Todesanzeigen sowie die Verteilung von Falschgeld durch Personen in Bärenkostüm an einem Anlass der in den Finanzskandal involvierten Landeslotterie Bern waren weitere Reaktionen auf die Enthüllungen. Neben der Kritik an Bern betonte die JKL immer wieder die Verbundenheit mit der Region Basel, z.B. indem sie an Anti-AKW Demonstrationen in Kaiseraugst teilnahm. Bei einigen Demonstrationen der JKL kam es auch zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Als der ABL-Exponent Rudolf Schmidlin in Bern zum Grossratspräsidenten gewählt wurde, organisierte die JKL eine Gegenveranstaltung.
Eine wichtige Aktion mit grosser Breitenwirkung bestand in der Organisation des Laufentaler Jugendfests jedes Jahr im Juni. Ausserdem nahm die JKL u.a. mit Fahnenzügen regelmässig an Anlässen der jurassischen Separatisten teil, wie z.B. der Fête de l'Unité und Fête de la Jeunesse im Jura und natürlich auch am Laufentaler Tag.

Sobald die zweite Laufentalabstimmung in Sicht war, intensivierte die JKL ihre Aktivitäten und bekam Zulauf (nach eigenen Angaben bis zu 450 Mitglieder, vgl. Gisin, S. 436). Im Hinblick auf den Urnengang vom 12. November 1989 veröffentlichte die JKL die Schrift «Zukunft in Sicht», die vor allem die für Jugendliche wichtigen Aspekte des Kantonswechsels thematisierte. Zur Zeit der Abstimmung 1989 waren die meisten JKL-Mitglieder unter 19 Jahre alt – und also noch nicht stimmberechtigt. Die JKL beteiligte sich aktiv an der Abstimmungskampagne mit Aktionen wie z.B. der Vorführung einer Tonbildschau in den Laufentaler Dörfern.

Nach der Abstimmung vom 12. November 1989 schloss sich die JKL dem Koordinationsausschuss Laufental 91 an, zusammen mit dem Komitee Jo zum Baselbiet und der LB.

Kiki Lutz, 31/03/2014
Letzte Aktualisierung: 3/12/2015

Archivbestände

Staatsarchiv BL, PA 6198 Laufentaler Bewegung LB

Bibliografie

Martin Brodbeck, «Vom Skandal zum guten Ende? Die Geschichte des Selbstbestimmungsverfahrens des Bezirks Laufen 1989 bis 1993», in Andreas Cueni (Hg.), Lehrblätz Laufental, Zürich 1993, S. 47-60
Thomas Gisin, Die Laufentaler Bewegung in der Laufentalfrage 1978-1993: Organisation und Selbstverständnis, Historisches Seminar der Universität Basel, Lizentiatsarbeit, 2012, S. 33-, 63-65, 65-74
Claudio Hänggi, Die Laufentalfrage 1983-1993: die Verwendung scheinrational-emotionaler Propaganda zur Identitätsfindung eines regionalen Kollektivs, Historisches Seminar Universität Basel 1997, S. 74
Christian Jecker, «Vom Musterfall zum Skandal. Die Geschichte des Selbstbestimmungsverfahrens des Bezirks Laufen 1970 bis 1988», in Andreas Cueni (Hg.), Lehrblätz Laufental, Zürich 1993, S. 31-45
dr Laufetaler, 12. September 1990