Separatismus (Laufental)

Die politische Integration des mehrheitlich katholischen Laufentals in den Kanton Bern nach 1815 ging nicht ohne Schwierigkeiten vonstatten. In religiöser Hinsicht bestand eine enge Verbundenheit mit den ebenfalls katholischen jurassischen Gemeinden. Eine starke Bewegung zur Loslösung des Amtsbezirks vom Kanton Bern gab es  im Laufental des 19. Jh. jedoch trotzdem nicht, doch es kam durchaus auch hier im Zusammenhang mit dem jurassischen Separatismus zu Protestaktionen (vgl. Artikel zu Joseph Ferdinand Gerster). Später erwies sich auch der Kulturkampf für die Laufentaler Geschichte als prägender Zeitabschnitt.


In den 1950er Jahren gab es wiederum Bestrebungen, das Gebiet zusammen mit dem restlichen, französischsprachigen Jura von Bern abzuspalten (vgl. die Artikel zu Separatismus und Der Laufentaler). Später wurde der Begriff in Anlehnung an den jurassischen Separatismus auch im Zusammenhang mit dem  Kantonswechsel des Laufentals verwendet. Er wurde auf Bestrebungen angewandt, die eine Trennung des ehemals bernischen Amtsbezirks Laufen vom Kanton Bern und einen Beitritt zu einem anderen Kanton zum Ziel hatten. Bei dieser Forderung stützten sich die Laufentaler Separatisten auf den Berner Verfassungszusatz vom 1. März 1970, der dem Amtsbezirk ein Selbstbestimmungsrecht hinsichtlich der künftigen Kantonszugehörigkeit einräumte. Im Gegensatz zum jurassischen Separatismus stand die Gründung eines eigenen Staatswesens ("Kanton" oder "Halbkanton Laufental") nicht im Vordergrund der separatistischen Aktivitäten im Laufental, sondern der Kantonswechsel.


Die Laufentaler Separatisten wurden von ihren berntreuen Gegnern in der Deutschschweizer Öffentlichkeit zuweilen absichtlich mit den jurassischen gleichgesetzt, um auf das Unruhepotential der angestrebten Gebietsveränderung hinzuweisen. Einige separatistische Gruppierungen pflegten selbst einen regen Kontakt und Austausch mit ihren jurassischen Pendants.
Nach der Abstimmung vom 16. März 1980, als es um die Entscheidung zwischen den beiden Kantonen Bern und Basel-Landschaft ging und alle anderen möglichen Beitrittskantone ausgeschieden waren, wurden die Laufentaler Separatisten oft auch als «Probaselbieter» oder «Laufentaler Baselbieter/innen» bezeichnet.
Parteipolitisch lässt sich der Laufentaler S. nicht eindeutig verorten, obwohl er besonders in der CVP aber auch in der SP viele Verfechter/innen fand. Umso zahlreicher waren die meist parteipolitisch und konfessionell unabhängigen Komitees und Gruppierungen, die zur Zeit des Prozesses des Laufentaler Kantonswechsels gegründet wurden. Eine Auswahl (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) findet sich auf Seite 2.
S. auch Artikel: Laufentalfrage

Kiki Lutz, 1/02/2011
Letzte Aktualisierung: 28/04/2014

Archivbestände

Staatsarchiv BL, PA 6198 Laufentaler Bewegung, PA 62 Laufentaler Komitee "Jo zum Baselbiet", PA 6120 Baselbieter Laufentalkomitee, VR 3003 Bezirksrat Laufental
Staatsarchiv BS, PA 521a BBB1 Akten zur "Vereinigung für eine starke Region Basel"&a

Bibliografie

Andreas Cueni (Hg.), Lehrblätz Laufental, Zürich 1993
Heinz Buser et al., Beschlüsse, Bilanzen, Bilder. Dokumente zum Kantonswechsel des Laufentals 1970-2003, Liestal 2004
Anna C. Fridrich, «Laufen (BL, Bezirk)», in Historisches Lexikon der Schweiz [Online-Version], Stand vom 23.08.2010
Daniel Hagmann, «Der "Kulturkampf" im Laufental unter der Lupe», in Laufentaler Jahrbuch, Nr. 9, 1994, S. 111-113
Claudio Hänggi, Die Laufentalfrage 1983-1993: die Verwendung scheinrational-emotionaler Propaganda zur Identitätsfindung eines regionalen Kollektivs, Historisches Seminar Universität Basel, Lizentiatsarbeit, 1997, S. 128, Anm. 4
Beat Junker, «Der Kantonswechsel des Laufentals», in Historischer Verein des Kantons Bern (Hg.), Geschichte des Kantons Bern seit 1798. Bd. III Tradition und Aufbruch 1881-1995, 2008. [Online-Version: http://www.hvbe.ch/geschichte.html], Stand vom 23.08.2010
'Nordschweiz
, 7. Mai 1990
Michael Rockenbach, «Die Wirren um den Kantonswechsel», Artikelserie in der Basler Zeitung, Basel 2003, Nr. 212, 213, 221, 222, 224